Karlsruher Stadtchronik

 

Ereignisse der Dekade

 
8. Januar 1945
"Der Führer", seit dem 1. September 1944 einzige Zeitung, wird nicht mehr zugestellt. Sie muss in Lebensmittelgeschäften abgeholt werden. Die letzte Ausgabe erscheint am 3. April.
11. Januar 1945
Zwei Karlsruherinnen werden vom Sondergericht Mannheim wegen Plünderung nach dem Bombenangriff vom 27. September 1944 zum Tode verurteilt, aber nicht mehr hingerichtet.
22. Januar 1945
Einstellung des gesamten D-Zug- und Eilzugverkehrs.
2. Februar 1945
Die tagsüber durchgeführten Jagdbombenangriffe stören den Tagesablauf der noch verbliebenen Bevölkerung von etwa 20.000 Menschen empfindlich.
2./3. Februar 1945
Erneuter schwerer Luftangriff.
11. Februar 1945
Vereidigung der Karlsruher Volkssturmbataillone, die seit dem 25. September 1944 formiert wurden.
21./22. März 1945
Die Beschießung der Stadt mit Ferngeschützen von der Elsass-Pfalz-Front fordert 46 Tote.
31. März 1945
An diesem Ostersamstag erleben die verbliebenen Karlsruher den längsten und letzten Luftalarm des Krieges von 6.30 bis nach 19.00 Uhr. Insgesamt 1.032 Alarme gab es in der Stadt und etwa 100 Luftangriffe, bei denen 1.754 Menschen starben und 3.508 verletzt wurden. Etwa 25 % aller Gebäude sind total zerstört, darunter sehr viele historische Bauten der Innenstadt.
31. März 1945
Deutsche Pioniere sprengen wegen des Vormarsches der Franzosen verschiedene Brücken, darunter die Autobahnbrücke bei Wolfartsweier.
1. April 1945
Angehörige des Volkssturms und russische Kriegsgefangene schließen die seit Dezember 1944 zur Verteidigung errichteten Barrikaden um die Innenstadt.
2. April 1945
Letztes von den Städtischen Büchereien veranstaltete Kammermusikkonzert im Haus Solms.
3. April 1945
Oberstleutnant i. G. Ernst Linke, Kommandant der Berliner "Bärendivision", entschließt sich entgegen einem Befehl zur kampflosen Räumung der Stadt. Dadurch verhindert Linke gegen den Widerstand der örtlichen NSDAP-Führung auch weitere Zerstörungen von Verkehrseinrichtungen durch die deutsche Wehrmacht.
4. April 1945
Französische Panzer auf dem Marktplatz. Für die Aufnahme einer französischen Wochenschau waren eine größere Zahl von Gebäuden im Stadtzentrum in Brand gesteckt worden. StadtAK 8/Alben 5, S. 697Die Franzosen besetzen gegen geringen Widerstand von Nachhuten der Wehrmacht, Angehörigen der Polizei, des Volkssturms und der Hitler-Jugend die Stadt. Die Besetzung ist um 11.00 Uhr abgeschlossen, sie fordert unter der Bevölkerung elf Tote.
 
5. April 1945
Die Franzosen lassen durch deutsche Kriegsgefangene und arbeitsfähige Karlsruher die Barrikaden in der Innenstadt räumen. Josef Heinrich wird zum kommissarischen Bürgermeister ernannt. Durlach wird von französischen Truppen eingenommen.
6. April 1945
Plünderungen und Vergewaltigungen gehören nun wochenlang zum Alltag. An den Plünderungen ist die notleidende Bevölkerung beteiligt. Für Zivilisten wird von 18.00 - 9.00 Uhr eine Ausgangssperre verhängt.
10. April 1945
In der benutzbaren Markuskirche veranstaltet der Bach-Chor das erste Nachkriegskonzert.
15./22. April 1945
In der Knielinger Rheinkaserne setzen die Franzosen ehemalige NSDAP-Mitglieder fest und bringen etwa 500 Gefangene in Fußmärschen nach Offenburg, wo sie mehrere Wochen interniert bleiben.
23. April 1945
Nach Beschlagnahme des Städtischen Krankenhauses werden bis April 1946 in der Lessingschule Krankenräume als Ersatz eingerichtet.
9. Mai 1945
Zur besseren Versorgung der Bevölkerung wird die Stadt in 16 Bezirke eingeteilt und je eine eigene Bezirksverwaltung gebildet. Im Oktober 1948 werden diese nach der Besserung der allgemeinen Lebensverhältnisse wieder aufgelöst.
12. Mai 1945
Illegales Treffen von Sozialdemokraten im Rathaus an der Beiertheimer Allee (heute Polizeipräsidium). Am 21. September wird im "Weißen Berg" Fritz Töpper zum 1. Vorsitzenden des wieder konstituierten SPD-Ortsvereins gewählt.
30. Mai 1945
Erste Teilstrecke der Straßenbahn zwischen Weinweg und Kühler Krug wieder in Betrieb.
Juni 1945
Die Umbenennung von Straßen, Plätzen und Schulen in den Jahren nach 1933 wird rückgängig gemacht.
5. Juni 1945
Die Vereinbarungen der Alliierten USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich über die Einrichtung von Besatzungszonen im besiegten Deutschland treten in Kraft. Karlsruhe liegt in der amerikanischen Zone, gerät jedoch durch die nahe Grenze zur französischen Zone in einen "toten Winkel".
1. Juli 1945
Die Stadtverwaltung richtet eine Beratungsstelle für rassisch und politisch Verfolgte ein.
8. Juli 1945
Gemäß dem alliierten Zonenabkommen besetzen die US-Streitkräfte die Stadt, nachdem tags zuvor die Franzosen abgezogen sind. Die Amerikaner beschlagnahmen 2.000 Wohnungen für die Unterbringung des Offizierskorps und ihrer Stäbe.
18. Juli 1945
In den Räumen der Bezirksverwaltung Südstadt findet illegal eine Gründungsversammlung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Karlsruhe statt. Auf einer offiziell genehmigten Gründungsversammlung am 27. August wird Karl Flößer zum 1. Vorsitzenden gewählt.
22. Juli 1945
In der Knielinger Kaserne treffen die ersten Flüchtlinge, 360 Donauschwaben aus Jugoslawien, ein.
23. Juli 1945
Die Lebensmittelzuteilung erreicht mit 775 Kalorien pro Tag ihren Tiefstand.
4. August 1945
Hermann Veit, Oberbürgermeister 1945-1946. StadtAK 8/PBS oIII 1153Der Sozialdemokrat Hermann Veit wird in sein Amt als Oberbürgermeister eingeführt. Seine Ernennung durch die Militärverwaltung erfolgt auf Vorschlag von Vertretern der ehemaligen demokratischen Parteien der Weimarer Republik.
 
14. August 1945
In einem benutzbaren Raum des Ständehauses wird als Vorläuferin der CDU die Christlich-Demokratische Partei (CDP) gegründet, die am 4. September ihre erste Kreisversammlung abhält und Adolf Kühn zum 1. Vorsitzenden wählt.
31. August 1945
Erstes Nachkriegs-Sinfoniekonzert des Staatstheaterorchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors Otto Matzerath.
September 1945
Abfahrt des vollen Fünf Karlsruher Firmen, hauptsächlich aus dem Baugewerbe, formieren eine Arbeitsgemeinschaft zur raschen Trümmerbeseitigung. Günther Klotz, Ernst Morlock und Jakob Daubenberger sind die vorläufigen Geschäftsführer. Am 31. Oktober schließt die Stadt einen Vertrag mit der "Aufräumungs-Arbeitsgemeinschaft Karlsruhe" (AAK) über die Trümmerräumung, die auf fünf Jahre veranschlagt wird. Der größte Teil der Trümmermasse soll zur Aufschüttung im Rheinhafen und damit zur Gewinnung von Industriegelände dienen. Die AAK beendet ihre Tätigkeit im März 1950.
 
2. September 1945
Die Militärverwaltung ernennt 14 Stadträte, die das erste städtische Parlament nach Kriegsende bilden.
19. September 1945
Bei der Bildung des Landes Württemberg-Baden mit der Hauptstadt Stuttgart verliert Karlsruhe seinen seit der Gründung innegehabten Rang als Residenz- bzw. Hauptstadt.
20. September 1945
In der Maxauer Straße 3 richtet die Sowjetunion ein Büro zur Rückführung zwangsverschleppter russischer Arbeiter ein.
23. September 1945
Erste öffentliche Versammlung der im "Hirsch" in Daxlanden wiedergegründeten KPD in den Rheingold-Lichtspielen. Karl Betz wird zum ersten Vorsitzenden gewählt.
8. Oktober 1945
Arthur Valdenaire wird zum Leiter des Landesdenkmalamtes ernannt, mit dem besonderen Auftrag, die Baudenkmäler Karlsruhes vor weiterer Zerstörung zu schützen. Valdenaire stirbt am 15. Januar 1946.
8. Oktober 1945
Wiederbeginn des Volksschulunterrichts für die unteren vier Klassen.
9. Oktober 1945
Die Gründungsversammlung der Demokratischen Partei (später DVP/FDP) wählt Prof. Albert Keßler zum 1. Vorsitzenden.
15. Oktober 1945
Bis zu diesem Tag entlässt die Stadtverwaltung im Rahmen der Entnazifizierung etwa 800 Bedienstete.
27. Oktober 1945
Beginn der Spielzeit des Badischen Staatstheaters mit "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal im Konzerthaus.
10. November 1945
Die Karlsruher Notgemeinschaft wird wiedergegründet. Ab Dezember versorgt sie aus einer Großküche 2.000 hilfsbedürftige ältere Menschen.
12. November 1945
Die schlechte Energieversorgung führt an zwei Wochentagen zwischen 8.00 und 17.00 Uhr zu völliger Stromsperre.
19. November 1945
Aufhebung der Arbeitsdienstpflicht für ehemalige NSDAP-Mitglieder nach Abschluss der Trümmerräumung in den Hauptverkehrsstraßen und auf den Gehwegen.
24. November 1945
Das Flüchtlingslager wird von der Knielinger Allee zur Artilleriekaserne in der Moltkestraße verlegt. Es beherbergt bald bis zu 5.000 Flüchtlinge.
29. Dezember 1945
Nachdem bei Kriegsende etwa 60.000 Menschen in der Stadt lebten, sind es jetzt 137.920.
 
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