Karlsruher Stadtchronik

 

Ereignisse der Dekade

 
1922
Die Inflation führt etwa bei Beamtengehältern und Arbeiterlöhnen der Stadt (ohne Schule und Polizei) zu sprunghaftem Zahlenanstieg. Mussten am Jahresanfang noch 102 Millionen aufgewendet werden, so waren es im Mai 202, im August 405 und am Ende des Rechnungsjahres 12.500 Millionen Mark.
2. Januar 1922
Eröffnung des Reitinstituts "Karlsruher Tattersall" in der Reithalle der ehemaligen Artilleriekaserne Gottesaue.
16. Januar 1922
Das Karlsruher Wohnungsamt richtet über die Tageszeitungen einen Appell an die Verlobten, vorläufig nicht zu heiraten. In der Stadt fehlen 2.500 Wohnungen.
März 1922
Das Archivgebäude der Stadt in der Gartenstraße 53 (am heute noch so genannten Archivplatz) wird für das Arbeitsamt geräumt. Die Archivbibliothek geht in die städtische Volksbücherei über, die Stadtgeschichtlichen Sammlungen gehen als Leihgabe an das Badische Landesmuseum, wo sie seit 1926 zu sehen sind, die Archivalien kommen in das Rathaus.
26. Mai 1922
Gründung der Wohnungsbau für Industrie und Handel GmbH mit Beteiligung der Stadt Karlsruhe. Die spätere Wohnungsgesellschaft Ettlinger Tor mbH ist die älteste Vorgängergesellschaft der 1951 gebildeten neuen Volkswohnung GmbH.
26. Juni 1922
Eröffnung der Städtischen Bücherei und Lesehalle. In ihr werden die Bibliotheken des Männerhilfsverein vom Roten Kreuz und des Badischen Frauenvereins, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, zusammengeführt. Die Bücherei wird in der Karl-Friedrich-Straße 21 eingerichtet.
27. Juni 1922
Große Demonstration auf dem Marktplatz nach der Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau am 24. Juni. Danach kommt es in einigen Stadtteilen zu Ausschreitungen. Am 4. Juli findet eine zweite Demonstration statt.
20. Oktober 1922
Der letzte Karlsruher Kriegsgefangene, Wilhelm Krotz, kehrt nach achtjähriger Gefangenschaft in seine Heimatstadt zurück.
19. November 1922
Bei den Stadtverordnetenwahlen beteiligen sich etwa 50 % der Stimmberechtigten. Stärkste Partei wird die SPD. Der am 5. Dezember von den Stadtverordneten gewählte Stadtrat ist besetzt mit 8 Sozialdemokraten, 6 Vertretern des Zentrums, 3 der Deutschen Volkspartei, 1 der Kommunalen Wirtschaftlichen Vereinigung, 3 der Deutschen Demokratischen Partei und 2 der Deutschnationalen Volkspartei.
 
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