Karlsruher Stadtchronik

 

Ereignisse der Dekade

 
1919
Um der Wohnungsnot zu begegnen, wird mit der Erschließung des Exerzierplatzes Gottesaue, des Geländes hinter der Tullaschule und dem Ausbau der Gartenstadt Rüppurr begonnen. Die ersten Häuser sind noch in diesem Jahr bezugsfertig. In ehemaligen Kasernen, u. a. Gottesaue, werden Notwohnungen hergerichtet.
1. Januar 1919
Das Gebäude der Gewerbeschule am Lidellplatz, das 1912 nach Plänen von Prof. Eugen Beck begonnen, im September 1914 fertig gestellt und während des Krieges als Lazarett benutzt wurde, wird seiner Bestimmung übergeben.
5. Januar 1919
Bei den Wahlen zur verfassunggebenden badischen Nationalversammlung, bei denen Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht haben, erzielt in Karlsruhe-Stadt die SPD das beste Wahlergebnis. Unter den 15 Abgeordneten, die in Karlsruhe wohnen, sind zwei Frauen, Kunigunde Fischer (SPD) und Klara Siebert (Zentrum). Die badische Nationalversammlung tagt erstmals am 15. Januar im Landtagsgebäude. Ihr gehören 39 Abgeordnete des Zentrums, 36 der SPD, 25 der Deutschen Demokratischen Partei und 7 der Deutschnationalen Volkspartei an.
19. Januar 1919
Die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung finden statt. Stärkste Partei in Karlsruhe-Stadt ist die SPD.
24. Januar 1919
Gründung der Baugenossenschaft Gartenvorstadt Grünwinkel, die den Bau von 180 Wohnungen plant.
10. Februar 1919
Eine französische Truppenabteilung zur Überwachung des Rheinhafens trifft ein.
23. Februar 1919
Wegen des Verbots einer Versammlung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei im Colosseum kommt es zu Demonstrationen, bei denen Fensterscheiben zu Bruch gehen und einige Schüsse fallen. Die Demonstrationen am Schlossplatz und vor dem Innenministerium dauern bis in die Nacht. Die Proteste richten sich gegen den wegen revolutionärer Unruhen in Mannheim verhängten Belagerungszustand in Baden.
1. März 1919
Die Karlsruher Turngemeinde 1846 und die Karlsruher Turngesellschaft vereinigen sich zum Karlsruher Turnverein 1846.
3. März 1919
Gründung der Handwerker-Baugenossenschaft Hardtwaldsiedlung unter Vorsitz von Albert Braun.
13. April 1919
Volksabstimmung über die badische Verfassung. Diese erhält in Karlsruhe 22.355 Ja- und 2.479 Nein-Stimmen.
13. Mai 1919
Die Stadtverwaltung und die vier Hauptfraktionen (nach den letzten Wahlen von 1911 die Nationalliberalen, SPD, Zentrum und Fortschrittliche Volkspartei) veranstalten eine Protestkundgebung gegen die Versailler Friedensbedingungen.
18. Mai 1919
Bei den Stadtverordnetenwahlen gewinnt die liberale Deutsche Demokratische Partei vor der gleichstarken SPD und Zentrumspartei. Im Stadtrat, der von den Stadtverordneten gewählt wird, sind vertreten: SPD 6, USPD 1, KPD 1, Zentrum 6, DDP 7 und DNVP 1. Unter den 96 Stadtverordneten sind zehn Frauen, und dem 27-köpfigen Gremium des Stadtrats gehören drei Frauen an.
23. Juli 1919
Bei den fälligen Neuwahlen für den Oberbürgermeister nehmen von 122 stimmberechtigten Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung 47 an der Wahl teil. 37 stimmen für den bisherigen Amtsinhaber Karl Siegrist, 10 Zettel sind ungültig. Die Wahl ist somit nicht gültig. Nach öffentlicher Ausschreibung der Stelle wird am 19. September mit 91 von 92 abgegebenen Stimmen Dr. Julius Finter, Bürgermeister in Mannheim, zum neuen Oberbürgermeister Karlsruhes gewählt.
August 1919
Aufhebung des Kartenzwangs für Seife. Für Nahrungsmittel und andere Bedarfsgüter hält die Zwangsbewirtschaftung an. Die Lebensmittelpreise müssen aufgrund des Mangels deutlich erhöht werden.
29. August 1919
Reichspräsident Friedrich Ebert besucht in Begleitung des Reichswehrministers Gustav Noske die Stadt zu Wirtschaftsbesprechungen mit der badischen Regierung.
29. September 1919
Die Zahl der Bürgermeisterstellen wird um eine auf vier erhöht.
 
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