Karlsruher Stadtchronik
Ereignisse der Dekade
- 1848
- Bis 1850 werden aus der Schüler- und Lehrerschaft des Polytechnikums Reformforderungen erhoben, die auf eine Umwandlung in eine universitätsähnliche Bildungseinrichtung zielen.
- 28. Februar 1848
- Eine vom Gemeinderat einberufene Versammlung im Rathaus macht sich die Forderung nach Pressefreiheit, Volksbewaffnung und Schwurgerichten zu eigen. Der Gemeinderat übernimmt die Organisation einer Karlsruher Bürgerwehr, die am 29. ihren ersten Wachdienst versieht. In einem Biergarten der Stadt wird der Republikaner Karl Blind verhaftet. Auch zwei Karlsruher Bürger werden festgesetzt, erhalten jedoch nach kurzer Zeit ihre Freiheit wieder. Blind war Initiator eines ersten Karlsruher Arbeitervereins, der kurz darauf verboten wird.
- März 1848
- In der Karlsruher Presse werden Vereinsgründungen angekündigt. Der "Vaterländische Verein" will sich für die Erhaltung und gesetzliche Fortentwicklung der verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten einsetzen. Dem "Badischen Volksverein" ist dieses Programm zu liberal und dem "Demokratischen Verein" ist es zu wenig fortschrittlich.
- 1. März 1848
- Nach einer Sitzung des Landtags, in der die Aufhebung der Zensur verkündet wird, zieht eine große Menschenmenge vom Ständehaus zum Schlossplatz. Sie will ihre weitergehenden Forderungen nach Volksbewaffnung und Schwurgerichten dem Großherzog vortragen. Feuerwehr und bewaffnete Bürger drängen die Demonstration ab.
- 2. März 1848
- Der Großherzog ruft die Badener auf, mit ihm gemeinsam "Ordnung, Eigentum und verfassungsmäßige Freiheit" aufrechtzuerhalten. In der Nacht zum 3. März bricht im Ministerium des Auswärtigen in der Erbprinzenstraße Feuer aus, das vermutlich durch Brandstiftung verursacht ist.
- April 1848
- Der Karlsruher Gemeinderat schickt eine Dankadresse, versehen mit zahlreichen Unterschriften von Bürgern, an den Landtag. Er dankt diesem für die Unterstützung der Regierung bei der Bekämpfung der Revolutionäre.
- 8. April 1848
- Josef Fickler, einer der badischen Revolutionsführer, wird im Hauptbahnhof verhaftet.
- 20. Mai 1848
- Als Heerscharenführer der Karlsruher Bürgerwehr wird Oberst Konrad Gerber gewählt. Er war vorher Kommandeur des Grenadierregiments.
- 26. Mai 1848
- Louis Daler tritt vom Amt des Oberbürgermeisters zurück. Er fühlt sich den Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der gemäßigten, monarchisch-konstitutionellen und der radikalen, demokratischen Richtung, die auch im Gemeinderat ausgetragen werden, nicht mehr gewachsen.
- 4. Juli 1848
Als neuer Oberbürgermeister wird der Druckereibesitzer Jakob Malsch gewählt. In einer zuvor stattgefundenen Wahl hatte August Lamey die meisten Stimmen erhalten, das Amt jedoch abgelehnt. Malsch bleibt bis 1870 Oberbürgermeister.
- 8. Oktober 1848
- Fahnenverleihung an die Korps der Karlsruher Bürgerwehr.
- 19. November 1848
- Totenfeier für den am 9. November in Wien nach Niederschlagung des Aufstandes ermordeten Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum. An dem Trauerzug, der auch eine Demonstration für die Einführung einer Verfassung ist, beteiligten sich etwa 850 Personen.
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