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Die Baischstraße - vom Zimmerplatz zum Jugendstiljuwel

Baischstraße, Innenstadt-West

Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

"Hübsche behagliche Wohnungen für die ersten Familien der Stadt [...] in modernem Styl" - so beschrieb der Architekt Hermann Billing seine Idee von einem Ensemble aus sechs Wohnhäusern, die die kurze Sackgasse am Mühlburger Tor säumen sollten. Er schuf damit zwischen 1900 und 1903 eine „Villenkolonie“ für Karlsruhe, die ebenso wie die „Künstlerkolonie“ der Mathildenhöhe in Darmstadt besondere Würdigung als architektonisches Gesamtkunstwerk des Jugendstils im deutschen Südwesten verdient.

Die Bauherren des Projekts, das Ehepaar Helmle, ließen die Straße auf ihrem schmalen Privatgrundstück zwischen der Stephanienstraße und den Gärten der Villen in der Bismarckstraße anlegen. Benannt wurde die Sackgasse nach Hermann Baisch (1846-1894), der als Professor an der Karlsruher Kunstakademie Tiermalerei lehrte.

Die ersten Planungen entwickelte der Karlsruher Bauunternehmer Wilhelm Stober. Schon ihm ist wohl die Idee von der versetzten Lage der Häuser zuzuschreiben: Jedes der Häuser, darunter ein Doppelhaus, besitzt einen flankierenden Garten bzw. steht über die Straße hinweg einem Garten gegenüber und schließt mit einer Brandmauer zum rückwärtigen Grundstück ab. Im Jahr 1900 trat Stober das Projekt an den Architekten Hermann Billing ab.

Hermann Billing (1867-1946) wurde im Karlsruher „Dörfle“ geboren. Er studierte ohne Abschluss an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo Josef Durm – Architekt des Historismus – als Professor lehrte. Angestellt in Architekturbüros in Berlin und Aachen erwarb er sich praktische Kenntnisse und machte sich 25jährig als "Privatarchitekt" in seiner Geburtsstadt selbständig. Als freier Architekt erregte er Aufsehen mit seinen individuellen, phantasievollen Entwürfen, die der akademischen Baukunst seines Lehrers Durm mutig entsagten und für die er in Fachkreisen als besonders kühner und freier Neuerer des Karlsruher Stadtbildes Anerkennung fand.
     
Die Wohnhäuser der Baischstraße besitzen eine Farbvielfalt und reiche Formensprache, die Billings Interesse an der ländlichen und mittelalterlichen Architektur und dem englischen Landhausstil entsprungen ist: Entgegen der Mode der Zeit spielte er hier undogmatisch und selbstbewusst mit farbig gefassten Schindeln und Klappläden, gestreiften Dachuntersichten, gefärbter Verfugung, blau glasierten Majolika-Fliesen,  kontrastierte   verschieden  farbige  Sandsteine, Ziegel und Putz und setzte mit Goldverzierungen Akzente. Bei Dunkelheit setzte das Licht der geschmiedeten Kandelaber die Straße in Szene. Jedem der Häuser war ein eigener Charakter verliehen: wie über lange Zeit hinweg gewachsen, in volkstümlichem Schmuck und doch auch herrschaftlich. Man wohnte hier ländlich inmitten der Stadt. Auch die Zimmerausstattung bestimmte Billing bis ins Detail; jedes Haus wurde von ihm innenarchitektonisch vollendet und mit der Farbwahl der Majolikafliesen, der Variation der kupferbeschlagenen Heizungsverkleidungen, der Gestaltung der Wandschränke oder Treppengeländer zu einem wahren Schatzkästlein gemacht.

Das Bauvorhaben abschließend wurde ein Vorgängerbau in der Stephanienstraße 94 und 96 abgerissen und der monumentale, giebelständige Torbau, der den Eingang zur Baischstraße bildet, errichtet. Selbständig interpretierte Formen der Spätrenaissance schmücken die Fassade, darunter selbst Löwenköpfe. Die mächtige Mauermasse ist plastisch "Schicht für Schicht" modelliert und spannungsreich durch konkave und konvexe Vor- und Rücksprünge und geschwungene Kanten belebt. Einzelne Wandflächen waren leuchtend hellblau gestrichen, und vergoldeter Bauschmuck, darunter das Relief einer nackten Frau im oberen linken Giebel, muss phantastisch im Sonnenlicht von Süden geglitzert haben.

Leider ist heute ein Teil dieses besonderen Karlsruher Schmuckstücks durch Kriegszerstörung, unachtsamen Umbau oder Verfall verloren gegangen, über dessen Erhalt Hermann Billing zu Lebzeiten noch mit Argusaugen wachte.                                                           

Literatur:

KABIERSKE, Gerhard: "Hermann Billing. Architekt zwischen Historismus, Jugendstil und neuem Bauen". Hrsg. v. Städtische Galerie Karlsruhe, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe und Architekturmuseum der Technischen Universität München. Karlsruhe 1997.

KABIERSKE, Gerhard: „Der Architekt Hermann Billing“. Hrsg. v. Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe und Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau. Karlsruhe 1996. Diss. Freiburg i. Br.1993 (=Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte, Band 7).

MARTIN, Kurt: "Hermann Billing". Berlin, Leipzig, Wien: Hübsch 1930.

Text: Rebekka Bücheler, stattreisen Karlsruhe e. V.

 

Blick nach Norden in die Baischstraße, Aufnahme vor 1914 (Landesdenkmalamt Karlsruhe)

 

"Villenkolonie", Baischstraße 1900-03

 
 
 

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