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Datenbank der Kulturdenkmale

Ölmühle

Kastenwörthstr. 2, Daxlanden

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Ölmühle, Mühlenraum mit Mühleneinrichtungen (doppelter Mahlgang mit elektrischem Antrieb und hydraulischer Presse), 1918 von der Firma J. Dieffenbacher Söhne aus Eppingen hergestellt und in der Daxlandener Appenmühle eingerichtet. 1945 an Friedrich Schwall verkauft, 1948 von der Alb hierher verbracht und in dem für diesen Zweck eigens errichteten Gebäude mit Mühlenraum im Erdgeschoss eingerichtet.


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Die Daxlander Ölmühle

Ölmüller Friedrich Schwall (1906-1984) betrieb seine Ölmühle von 1945 bis 1956. Aus den historischen Unterlagen des Karlsruher Stadtarchivs geht hervor, dass diese Ölmühle samt Presse zunächst in der Daxlander Appenmühle Anfang der 1920er-Jahre eingerichtet und von Josef Pfisterer bis 1931 betrieben wurde. Ein Jahr später übernahm der Schlosser- und Heizungsbauer Julius Grether die Ölmühle und presste dort aus Raps, Mohn, Nüssen und Bucheckern das natürliche Produkt. Doch beim verheerenden Luftangriff auf Karlsruhe am 4. Dezember 1944 wurde nicht nur die Appenmühle weitgehend zerstört, sondern es starb zugleich auch Ölmüller Grether. Damit schien der Betrieb der Ölmühle beendet zu sein. Zwar wurde sie notdürftig repariert, doch eine zufriedenstellende Lösung war das nicht. Am 1. Juli 1945 übernahm Friedrich Schwall schließlich die Ölmühle als Betriebsinhaber von Julius Grethers Witwe. Im Jahre 1948 wurde diese dann - wohl mit einem Pferdefuhrwerk - komplett in die damalige Ankerstraße 4 gekarrt. Auf diesem Grundstück befindet sich heute das rückwärtige Gebäude der Kastenwörtstraße 2 mit der Ölmühle; es wurde im Tausch gegen ein Grundstück von Friedrichs Bruder Emil Schwall in Rüppurr erworben. Nachdem der Standort der Ölmühle festgelegt war, wurde eigens ein Haus drum herum gebaut.

Um seinen Betrieb zu sichern und seine Kundschaft bedienen zu können, stellte Ölmühlenbesitzer Schwall u. a. den Antrag auf ein Kraftrad. Er hatte sogar seinen Segen von der damaligen Bezirks-Handwerkskammer Karlsruhe noch im Dezember 1945 mit den Worten erhalten, dass „nach den handwerk-rechtlichen Vorschriften (…) der Ausübung des Ölmühlenhandwerks“ nichts im Wege stehe. Aus der Belegmappe für das Jahr 1946 geht hervor, dass es insgesamt 18 582 Kilogramm ölhaltige Früchte waren, aus denen das naturreine Produkt hergestellt wurde. 

Da es in den Nachkriegsjahren mit dem Bezahlen nicht so einfach war, wurde oft in Naturalien bezahlt: beispielsweise ein Silberbesteck, ein Ölgemälde oder Kreidezeichnungen, welche direkt auf die Wand im Durchgang zur Ölmühle gemalt wurden. Auf diesen sind eine Windmühle in Holland und die Albkapelle in Grünwinkel zu sehen.

Kulturgeschichtlich ist die Ölmühle deshalb interessant, weil sie regionalgeschichtliche Bezüge aufweist. Das zeigt sich etwa bei den hydraulischen Pressen, mit denen aus den ölhaltigen Früchten das Öl herausgepresst wurde. Zuordnen konnte man die Herstellerfirma deshalb, weil auf den Pressen ein angebrachtes Firmenschild folgendes ausweist: „J. Dieffenbacher Söhne gegründet 1873 Maschinenfabrik Eppingen (Baden).“ Ein wichtiges und aufschlussreiches Detail, das zur Altersbestimmung der Ölmühle führte.

Text: Bernhard Wagner (EUR.-ING./MA)

Denkmal nach § 2 (Kulturdenkmal) Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1918