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Datenbank der Kulturdenkmale

Ehem. Grenadierkaserne, heute Behördenzentrum des Landes Baden-Württemberg

Freydorfstr. 3, 5, 7 / Moltkestr. 60, 62, 64, 66, 68, 70, 72, 74, 76, 78, 80, 82, 84, Nordstadt

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Kaserne der Großherzoglichen Leibgrenadiere, heute Behördenzentrum des Landes Baden-Württemberg, 1893-1897 nach Plänen des Garnisons-Bauinspektors Georg Jannasch unter der Bauleitung der königlichen Regierungs-Baumeister Buschenhagen und Kaiser errichtet.


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Die Grena­dier­ka­serne wurde 1893-1897 nach Plänen des Garnisons-Baubeamten Jannasch und der Bauleitung der könig­li­chen Regierungs-Baumeister Buschen­ha­gen und Kaiser errichtet. Das Grundstück der Kaserne ist etwa fünf Hektar groß, und die Gebäude gruppieren sich um einen großen zentralen Exerzier­platz. Auf drei Seiten stehen sechs große Mannschafts­ge­bäude, die jeweils zwei Kompanien aufnehmen konnten. Zwischen den Mannschafts­häu­sern wurden drei kleinere Wirtschafts­ge­bäude mit Wasch- und Speise­funk­tion einge­stellt.

In den Ersten Weltkrieg war das Leibgre­na­dier­re­gi­ment 1914 mit 3000 Soldaten nach Frankreich ausgezogen. Von den insgesamt 25.000 Männern der immer wieder verstärk­ten Truppe, die in den mörde­ri­schen Graben­kämp­fen um Verdun kämpfte, kehrten 3 500 nicht mehr nach Hause zurück. Nach der Auflösung des Leibgre­na­dier­re­gi­ments 1919, es hatte seit 1803 bestanden, wurde das Kaser­nen­ge­lände zum Gewer­be­ge­biet und beher­bergte - wie auch heute wieder - zivile Behörden, unter anderen die Landes­po­li­zei­schule.

Nach Besetzung der entmi­li­ta­ri­sier­ten Zone durch die Reichswehr quartierte sich 1936 das Infan­te­rie­re­gi­ment 109 in der Kaserne ein, nun unter natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Oberkom­mando. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Militär­ge­bäude für einige Jahre zur provi­so­ri­schen Unterkunft für Heimat­ver­trie­bene. Erst 1952, nach Aufhebung der starren Militär­zo­nen­auf­tei­lung, bezog die franzö­si­sche Armee die Grena­dier­ka­serne und nannte sie "Quartier General Pagezy". Die franzö­si­schen Soldaten verließen die Kaserne 1991. 

Das Haus Moltke­straße 74 ist eines der zunächst jeweils etwa 250 Soldaten beher­ber­gen­den Mannschaftsgebäude. Im Jahre 1918 kamen pro Mannschafts­ge­bäude noch einmal sechs Schlafsäle mit jeweils 20 Mann hinzu, damals entfernte man das dritte und mittlere Treppen­haus und ersetzte es durch einen mächtigen Risalitbau. Die Mannschafts­räume wurden mit eisernen Kanonen­ö­fen beheizt, in den übrigen Zimmern standen Kachelöfen. Bei Dunkelheit wurden die Mannschafts­ge­bäude mit Petro­le­um­lam­pen erhellt. In den Kompanie- und Wirtschafts­ge­bäu­den gab es damals noch keine Aborte. Vier einge­schos­sige Latri­nen­ge­bäude befanden sich einst, jeweils etwa 10 Meter von den Mannschafts­ge­bäu­den entfernt, bei den Eckpunkten des Exerzier­plat­zes. 
In den vorsprin­gen­den Flügel­bau­ten der Kompa­nie­ge­bäu­de befanden sich Wohnungen für ledige Offiziere und Unter­of­fi­ziere, Ärzte und die Revier­kran­ken­stu­ben. Verhei­ra­tete Unter­of­fi­ziere wohnten in den drei Famili­en­häu­sern der Kaserne, die auch von der Straße aus zugänglich waren und den Komfort von internen Latrinen und Wasser­an­schlüs­sen genossen.

Text: Dr. Clemens Kieser, Referat 25 für Denkmal­pflege im Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe

Denkmal nach § 12 (Kulturdenkmal besond. Bedeutung) Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1893
 

Blick vom Hof (Exerzierplatz) Richtung Nordwest
Bild: PBe, 2013

 

Leibgrenadierdenkmal
Bild: PBe, 2013

 

Moltkestr. 62
Bild: PBe, 2013

 

Freydorfstr. 3
Bild: PBe, 2013