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Datenbank der Kulturdenkmale

Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus

Rastatter Str. 20 (Flst. 10058) , Rüppurr

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus (evangelisch bis 1908), verputzter Rechtecksaal mit Walmdach, im unteren Teil des Turms an der Südseite Fragmente der schon 1351 erwähnten Kapelle erhalten, 1774-1776 nach Plänen von Johann Friedrich Weyhing, Mitarbeiter des Karlsruher Bauinspektors Jeremias Müller, als evangelische Predigtkirche errichtet, vollständige Renovierung der Kirche 1971-1976, damals letzte der ursprünglich drei Emporen entfernt, im Inneren Grabplatte der Herzbestattung des Reinhard von Rüppurr, Bischof von Worms (gest. 1533, Grabmal im Wormser Dom), Taufstein, um 1700, an der Außenwand des Kirchensaals die verwitterte Grabplatte des Philipp Jakob von Rüppurr (gest. 1582), das Nikolausfenster wurde 1948 in Berlin gefertigt, Ausstattung (Altar, Ambo, Tabernakel, Rosette, Kreuz, Leuchter, Osterleuchter) durch Gudrun Schreiner, Gedenktafeln für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, Kupferplatten, 1950


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Die idyllisch an einer Biegung der Alb gelegene Nikolaus­kir­che, von den Rüppurrern auch "Kleines Kirchle" genannt, ist der einzige Sakralbau auf Karlsruher Gemarkung, der unter kunst­ge­schicht­li­chem Aspekt in die Zeit des ausge­hen­den Rokoko und begin­nen­den Klassi­zis­mus fällt. Ihr Architekt Johann Friedrich Weyhing (1716 - 1781), ein gebürtiger Stutt­gar­ter, hat in Dresden bei Gaetano Chiaveri gelernt und, wie anzuneh-men ist, am Bau der dortigen Hofkirche mitgewirkt. 1767 wechselte er vom württem­ber­gi­schen in den badischen Staats­dienst, wo er 1770 die Nachfolge des Baumeis­ters Friedrich Arnold antrat. In jenem Jahr wurde das nach seinen Plänen errichtete sog. Schwe­den­pa­lais in der Hans-Thoma-Straße fertig­ge­stellt.

Die Nikolaus­kir­che wurde 1774/1776 (das Jahr der Vollen­dung des Baus ist im Sturz des profi­lier­ten Turmpor­tals in Stein gemeißelt) anstelle eines seit vielen Jahrzehn­ten baufäl­li­gen Gottes­hau­ses errichtet. Dabei kam der nach der Straße hin vor die Breitseite des Kirchen­schiffs gestellte kraftvolle Turm auf Fundamente des Vorgän­ger­baus zu stehen. Dieser Turm, durch umlaufende Stein­bän­der über dem zweiten und vierten Stockwerk unterteilt, wächst in fünf Geschos­sen empor, die durch je ein Fenster auf jeder Seite betont sind, alle von gleicher Breite, jedoch von wechseln­der Höhe. Der mit weich gebro­che­ner Dachlinie ansetzende, nicht zu steile Dachhelm führt die Kanten­ab­schrä­gung weiter hinauf zur Weltkugel, über der sich das Kreuz erhebt.

Die einschif­fige Nikolaus­kir­che war ursprüng­lich mit drei Emporen ausge­stat­tet. Bei der Umgestal­tung 1946/47 wurden außer der alten Kanzel die Empore an der Turmseite und die an der westlichen Querseite entfernt, die dritte Empore fiel der Renovie­rung der Jahre 1971 bis 1976 zum Opfer. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass heute leider so gut wie nichts mehr an die histo­ri­sche Raumge­stal­tung erinnert. Das Kirchlein birgt neben einem etwa 300 Jahre alten Taufstein das Herzgrab­mal des 1533 gestor­be­nen, aus dem ehema­li­gen Rüppurrer Adels­ge­schlecht stammenden Wormser Fürst­bi­schofs Reinhard II. Das Epitaph für den 1582 verstor­be­nen Philipp Jakob v. Rüppurr ist seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhun­derts an der Außenwand der Sakristei angebracht.

Altar, Ambo und Sakra­ments­häus­chen wurden von Gudrun Schreiner entworfen und aus dem Stein des schlichten Altars von 1946/47 herge­stellt. Von dieser Künstlerin stammt auch die aus Lindenholz geschnitzte Rosette im Rundbogen über dem Altar, deren innerer Blüten­kranz die Selig­prei­sun­gen der Bergpre­digt symbo­li­siert.

In der Nikolaus­kir­che hielt 1823 Aloys Henhöfer, ehemals katho­li­scher Priester und späterer Anführer der badischen Erweckungs­be­we­gung, in Anwesen­heit von Prälat Johann Peter Hebel und Großherzog Ludwig seine Probe­pre­digt. Zehn Jahre zuvor hatte Max von Schen­ken­dorf dem Gotteshaus mit dem Gedicht "Liebes Kirchlein an der Straßen" ein lyrisches Denkmal gesetzt. Das "Kleine Kirchle" war bis 1908 (Vollen­dung der Aufer­ste­hungs­kir­che) evange­li­sche Pfarr­kir­che. Sie befindet sich seither im Besitz der hiesigen Katholiken, denen sie bis 1936 (Weihe der Christ­kö­nigs­kir­che) als alleiniger Gottes­diens­traum diente.

Text: Ekkehard Schulz († ), Geschichts­werk­statt Rüppurr

Denkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1774
 
 

Kircheneingang
Bild: PBe, 2013

 


Bild: PBe, 2013