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Datenbank der Kulturdenkmale

Die Gräber der Familie Schilling von Canstatt, Herrenhaus und Park, Gutshof mit Milchhhäuschen, Taglöhnerhäuser

Spitalhof und Reihenstraße, Hohenwettersbach

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

siehe unter:

Taglöhnerhäuser des Schilling von Canstattschen Gutes
Herrenhaus des Schilling von Canstattschen Gutes
Ökonomiegebäude und Verwalterhaus des Schilling von Canstattschen Gutes
Erbbegräbnis der Freiherren Schilling von Canstatt


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Das Familiengrab der Schilling von Canstatt auf dem Friedhof von Hohenwettersbach

Im alten Teil des Hohenwettersbacher Friedhofs werden die über drei Jahrhunderte in Hohenwettersbach währenden Besitz- und Machtverhältnisse sichtbar.

Das Grabfeld ist zweigeteilt. Der obere Teil gehört der Familie Schilling von Canstatt, im unteren Bereich wurden die übrigen Bewohner bestattet. Ursprünglich war der etwa 300 Jahre alte Friedhof ganz im Besitz der Familie. Diese kam durch die Heirat von Wilhelm Friedrich von Canstatt mit Caroline-Louise, der Tochter des Markgrafen, im Jahr 1725 in den Besitz der gesamten Gemarkung und hat danach den Friedhof angelegt. Zuvor fanden die Einwohner von Hohen- bzw. Dürrenwettersbach in Grünwettersbach ihre letzte Ruhestätte.

Der Friedhof wird umrahmt von einer uralten Sandsteinmauer aus den Hohenwettersbacher Sandsteinbrüchen. Über eine Treppe in der Mitte des Friedhofs kommt man zum dreigeteilten Familiengrab der Familie Schilling von Canstatt. Hohe Scheinzypressen sowie Tannen und Laubholzbäume überschatten die Gräber der etwa 30 Familienangehörigen, die hier begraben sind. Dichtes Efeu umrankt die Mauern. Der Eingangsbereich führt durch ein Spalier von bestens gepflegten Eiben- und Buchsbäumen.

Im linken ältesten Bereich des Familiengrabes sind u. a. die vier ältesten Grundherren aus Hohenwettersbach begraben. Ganz links unter einer bescheidenen, oben abgebrochenen runden Säule ruht der erste Hohenwettersbacher Grundherr. Er war Obervogt, Obermarschall sowie Freund und Berater und letztlich auch Schwiegersohn des Stadtgründers Markgraf Carl Wilhelm. Ursprünglich neben ihm auf dem Karlsruher Marktplatz unter der Konkordienkirche begraben, wurde er nach deren Abriss und der Errichtung der Pyramide nach Hohenwettersbach umgebettet. Im Verhältnis zu seinem Wirken in Baden und besonders im Hinblick auf seinen Beitrag zur Stadtgründung ist sein Gedenkstein eher bescheiden.

Neben ihm hat sein Sohn Karl Friedrich Wilhelm seine letzte Ruhe gefunden. Er war der Erbauer des Hohenwettersbacher "Schlosses". Neben ihm in einer Reihe liegt sein Sohn Karl Friedrich. Sein Grab ziert das Familienwappen der Schilling von Canstatt. Es handelt sich um eine "goldene Kanne". Die Kanne gilt auch als Zeichen der Verbundenheit in einer Sippe. Dieses Wappen ist auf allen alten Grenzsteinen um die Gemarkung zu finden.

Daneben befindet sich der Grabstein von Wilhelm Heinrich. Er ist der vierte in der Reihe der Gutsherren.

Auf der rechten Seite des Familiengrabes betritt man durch einen Torbogen mit der Jahreszahl 1725 einen sandsteinummauerten Raum, in dessen Mitte das denkmalartige Grabmahl von Karl Friedrich Wilhelm Schilling von Canstatt steht. Zu Lebzeiten nannte er sich Wilhelm-Friedrich. Er gilt als "Vater der Gemeinde", da er die Zeichen der Zeit erkannt hatte und Land abgab, so dass 1864 die selbständige Gemeinde Hohenwettersbach entstehen konnte.

Im Zentrum der Anlage liegt unter einer mächtigen schwarzen Marmorplatte inmitten seiner ganzen Familie Viktor Schilling von Canstatt, der letzte männliche Nachkomme der Hohenwettersbacher Familie. Daneben ist die Grabplatte der zuletzt verstorbenen Gutsbesitzerin Ilona von Maffei geb. Schilling von Canstatt.

 

Park und Herrenhaus - Hohenwettersbach, Spitalhof 1

Hinter einer markanten Sandsteinmauer und durch hohe Scheinzypressen etwas verborgen, liegt das in Hohenwettersbach "Schloss" genannte Herrenhaus der Familie Schilling von Canstatt, heute im Besitz des Herrn Carlo von Maffei.

Herr von Maffei ist der Enkel von Victor Schilling von Canstatt, der wiederum der letzte männliche Träger dieses Namens - in einer langen Ahnenreihe - in Hohenwettersbach war. Durch ein "Kunkellehen" an die Tochter des Markgrafen Carl Wilhelm war 1711 bzw. 1713 die gesamte Gemarkung "Hohenwettersbach" in deren Besitz übergegangen.

Caroline Louise heiratete später den in markgräflichen Diensten stehenden Obervogt und Obermarschall Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt. In einem 1725 bei der Heirat geschlossenen Ehepakt ging die Gemarkung an die Familie Schilling von Canstatt. Zu der Zeit stand an Stelle des heutigen Herrenhauses ein älteres Gutshaus aus dem Jahr 1742.

Wilhelm Friedrich von Schilling arbeitete in Karlsruhe, seine Frau wohnte mit den Kindern in Durlach im heutigen Amtshaus.  

Bauherr des Herrenhauses in Hohenwettersbach war dessen Sohn Karl Friedrich. Dieser war zunächst Offizier und bewirtschaftete später sein 1075 Morgen großes Gut in Hohenwettersbach.

In den Jahren 1758/60 erbaute er sowohl das  Herrenhaus in Hohenwettersbach wie auch ein Wohnhaus in der Karlsruher Karl-Friedrich-Straße. Beide Häuser sollen zusammen 27.000 Gulden gekostet haben. Baumeister des in barocker Bauweise errichteten Herrenhauses war Dominik Bergmüller.

Das von außen eher schlicht - "ja geradezu klassisch" - wirkende Gebäude verfügt im Inneren über sehr ansprechende, deutlich vom Barock geprägte Räume. Unter dem Haus befindet sich ein schönes Kellergewölbe. Prägend für das Haus sind die Fensterachsen.

Ein besonderes Erlebnis ist der auch hinten noch sehr gut gepflegte Schlosspark.
Auffallend sind die riesigen Mammut- und Silberpappelbäume. Die Blutbuchen bilden einen eindrucksvollen Kontrast zum Grün des gepflegten Rasens. Hinter dem Haus ist ein alter Spaliergarten zu sehen, früher wohl auch Gemüsegarten. Entlang der Mauer zieht sich ein Nussbaumhain. Den Abschluss bildet eine Streuobstwiese mit einem alten Hochstamm-Obstbaumbestand.

Ein abgelassener Teich im Hintergrund des Gartens war früher die Lebensader des Gutshofes. Dürrenwettersbach hatte nämlich bis 1710 keinen einzigen Brunnen. Der Teich war somit die einzige ganzjährige Wasserquelle für die Menschen, außerdem musste das Vieh, oft über 100 Kühe sowie die Pferde und andere Nutztiere, daraus versorgt werden. Als Löschwasserbecken war er geradezu unentbehrlich.

Die Wände des Teiches sind künstlich aufgeschichtet, er liegt über dem Niveau der Stallungen, so dass das Wasser direkt zu den Trögen geleitet werden konnte. Alte
Steinbänke und Tische runden das Bild des Parks ab.

 

Das Hofgut Hohenwettersbach, Spitalhof 1

Die markanten Hofgutgebäude, die aus dem in örtlichen Steinbrüchen gewonnenen roten Bundsandstein errichtet wurden, sind nicht zu übersehen. Mächtige Stallungen und hohe Scheunen sowie ein mit heimischen Kopfsandsteinen gepflasterter Hof lassen sofort auf ein großes reiches Hofgut schließen. Die Gebäude sind in sehr gutem Zustand.

Das Hofgut entstand, nachdem Erbprinz Carl Wilhelm die Gemarkung von der Witwe des Oberstallmeisters Terzy von Cronental im Jahr 1706 für 6.500 Gulden gekauft hatte. Vorgänger waren mehrere Höfe, die im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges und des Pfälzer Erbfolgekrieges weitgehend zerstört wurden: u.a. der "Württemberger Freihof", der "Klosterhof" des Klosters Lichtenau, der "St. Katharinenhof" der geistigen Verwaltung in Durlach, der "Stollinhof" und der "Trachenhof". Der Spitalhof des Ettlinger Spitals "ist dem Namen nach" noch erhalten. Auf dessen Gelände wurde das spätere Hofgut errichtet.

Als einziger Hof auf der Gemarkung hat der ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Batzenhof die Zeit überdauert.

Carl Wilhelm wusste, dass es ohne Wasser kein Hofgut und auch kein Jagdschloss geben konnte. Er ließ auf dem späteren Hofgutgelände einen Brunnen graben und fand in 41 m Tiefe reichlich Wasser.

Von 1710 an war dieser Brunnen für 180 Jahre die einzige ganzjährige Wasserquelle in Hohenwettersbach.

Von Anfang an hatte das Hofgut einen wichtigen Anteil an der Versorgung der Stadtbevölkerung von Durlach und später Karlsruhe. Traditionell wurden die Spitäler bis in die neuere Zeit mit Milch versorgt.

Mehrfach in der Geschichte wurden die Hofgutgebäude durch Brand zerstört. Zuletzt brannte eine Scheuer am 26.06.1987 ab. Zuvor brannten 1897 und 1903 Teile der Wirtschaftsgebäude und des Schlosses.

In der Mitte des Areals steht das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Milchhäuschen. Hier wurde täglich die Milch von 100 und mehr Kühen gesammelt und gekühlt. Zeitweise waren bis zu 10 Melker im Stall beschäftigt. Im gut erhaltenen Pferdestall standen 10 bis 12 Kaltblut-Rösser einer besonders schweren Rasse. Daneben wurden Ochsen für die schwere Zugarbeit gehalten. Der Ruf des Hofguts ist eng verbunden mit dem langjährigen Pächter Heinrich Eckardt. Er war von 1914 bis 1960 in Hohenwettersbach tätig. Unter ihm wurde das Hofgut schnell zu einem weithin anerkannten Lehr- und Mustergut.

Hier wurden die ersten Dampfmaschinen für die Pflugarbeit aufgestellt, und auch die ersten Mähdrescher brachten die Ernte für das Hofgut ein. Schwerpunkt war jedoch die Saatzucht und die Saatgutvermehrung.

Der Hohenwettersbacher "Dickkopfweizen", ein Braunweizen für beste Mehlqualität, wurde deutschlandweit bekannt. Daneben wurde auch Obst gezüchtet. Die Apfelsorte "Gartenmeister Simon" stammt aus der hiesigen Zucht.

Auffällig sind auch die großen "Fruchtspeicher", in welchen dank der guten Böden die Getreidegarben eingelagert wurden, um dann im Winter gedroschen zu werden.

Zum Hofgut gehörte das Verwaltungsgebäude mit der Wohnung des Verwalters sowie Gutsbüro und Gutsküche. Das Nebengebäude, "Schwowehaus" genannt, war Sammelstelle für die Taglöhner.

Die Gebäude werden umrahmt von einer teilweise sehr hohen Umfassungsmauer aus Sandstein. Über sieben Generationen war das Hofgut im Besitz der Familie Schilling von Canstatt. Durch die Heirat des Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt mit der Markgrafentochter Caroline Louise und einen entsprechenden Ehevertrag kam sie in den Besitz des Hofguts.

Das Gut war oft verpachtet, da die männlichen Mitglieder der Familie meist hohe Ämter "bei Hofe" bekleideten. Lediglich drei der "Grundherren" bewirtschafteten den Hof selbst.

 

Die Taglöhnerhäuser Hohenwettersbach "im Reihen"

Im Jahr 1615 ging Dürrenwettersbach, wie der Ort zu der Zeit hieß, in einer Feuerbrunst unter. Gerade einmal fünf Häuser blieben übrig. Im folgenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und danach im Spanischen Erbfolgekrieg wurden auch die noch verbliebenen Einzelhöfe zerstört.

Um 1700 war die Gemarkung wüst und öde. Der Oberstallmeister Terzy von Cronental hatte sich die Gemarkung auf dubiose Weise angeeignet. Nach einem langjährigen Rechtsstreit konnte Erbprinz Carl Wilhelm 1706 die Gemarkung von der Witwe des Oberstallmeisters für 6.500 Gulden kaufen. Um ein Hofgut aufbauen zu können, brauchte er Arbeitskräfte, die im entvölkerten Ort jedoch nicht vorhanden waren.

Es gelang ihm in der Folgezeit, 29 Taglöhnerfamilien anzuwerben. Um sie unterzubringen, wurden im "Reihen" Häuser erstellt. Immer 4 Häuser bildeten einen Block. Das ursprüngliche Ausmaß eines Hauses wird mit 3 m x 2,30 m angegeben. Die "Häuser" bestanden aus einem Raum, geschlafen wurde auf dem Dachboden. Als Baumaterial wurden Sandsteine für den Sockel verwendet. Der Rest bestand aus Lehmwänden.

Die ersten Bewohner waren weitgehend rechtlose Leibeigene, in allen sozialen Belangen waren sie ganz auf die Grundherrschaft angewiesen. Für die Ernährung der Familien sorgten die angrenzenden Taglöhnergärten, aber auch diese blieben im Eigentum des Grundherren. Des weiteren wurden Kleintiere gehalten. Die dafür notwendigen Ställe standen vor und hinter den Häusern und sind heute noch erkennbar.

Mit Genehmigung der Eigentümer durften die Häuser erweitert, zusammengelegt oder auch neu gebaut werden, wobei nach und nach Steinhäuser entstanden. Zum Bau des Herrenhauses 1760 wurden mit markgräflicher Genehmigung weitere Taglöhner angesiedelt.

Die Pacht für die Häuser bestand in Naturalien und Fronarbeit. Außerdem musste ein Pachtzins entrichtet werden. Die Bewohner wurden Kolonisten genannt.

Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft in Baden im Jahr 1783 musste auch das Verhältnis der Taglöhner zum Grundherrn neu geregelt werden. Es wurden Aufnahmeverträge abgeschlossen, in denen Abgaben und Frondienst neu geregelt wurden. Wer nicht unterschrieb, musste den Ort verlassen.

Im Jahr 1813 verliert die Grundherrschaft die niedrige Gerichtsbarkeit. Hohenwettersbach wird "Kolonie" unter einem Statthalter. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die auf 625 Einwohner angewachsenen "Taglöhner" zur Last.

Nachdem ein Heiratsverbot nichts bewirkt hatte, versuchte man es mit Auswanderung nach Amerika, was am notwendigen Geld scheiterte.

Durch Landabgabe des Grundherren und der Stadt Durlach konnte 1864 die selbständige Gemeinde Hohenwettersbach gegründet werden. Nun konnten die Einwohner die Häuser pachten oder auch käuflich erwerben.

Texte: Robert Gültling.
 



 

Gräber der Familie Canstatt
Bild: 2009

 

Erbbegräbnis der Freiherren Schilling von Canstatt

 


Bild: 2010

 

Ökonomiegebäude und Verwalterhaus
Bild: Stadt Karlsruhe, 1975

 

Milchhäusle
Bild: 2009

 

Herrenhaus des Schilling von Canstattschen Gutes
Bild: 2009

 

Herrenhaus des Schilling von Canstattschen Gutes
Bild: Stadt Karlsruhe , 1975

 

Taglöhnerhäuser
Bild: 2010

 

Taglöhnerhäuser
Bild: Stadt Karlsruhe, 1975