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Datenbank der Kulturdenkmale

Katholische Maria-Hilf-Kapelle an der Alb

Konradin-Kreutzer-Straße, Grünwinkel

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Maria-Hilf-Kapelle, Putzbau mit Dachreiter und polygonalem Chorschluss, Altar aus der Bauzeit, Altarbild 1977 entwendet, ursprünglich 1759-60 erbaut in der Durmersheimer Straße, aus Verkehrsgründen 1913 mit Unterstützung des Kommerzienrat Robert Sinner hierher an die Alb versetzt, dafür wurde damals die erhaltene und heute zugehörige Stützmauer errichtet, am Eingang bezeichnet 1759. 1944 durch Luftangriffe schwer beschädigt und repariert, 1953 Sanierung. An der Wand beim Eingang der Kapelle: Kruzifix, Sandstein, bezeichnet 1792.


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Vor 1713 gab es in Grünwinkel keine Pfarrei und keine Zuordnung zu einer bestehenden Pfarrei. Die wenigen in Grünwinkel wohnenden Menschen gingen nach Ettlingen, nach Daxlanden oder in anderen Orten zur Kirche.

Kurz vor dem Jahr 1715 ließ ein Jakob Müller in Grünwinkel eine kleine Kapelle aus Holz errichten. Weil niemand für ihre Unterhaltung sorgte und auch kein Fond für diesen Zweck existierte, verfiel dieses erste Gotteshaus in Grünwinkel jedoch schon bis 1743.

1746 stellten Kirche und Verwaltung des Markgrafen die Genehmigung für einen Neubau in Aussicht, falls die Mittel zum Bau und zur Unterhaltung einer neuen Kapelle nachgewiesen werden können.

Die damals 24 (!) Grünwinkler Bürger sammelten! Verschiedene Stiftungen von Privatpersonen, ein Zuschuss des Markgrafen August Georg von Baden-Baden und eine Kollekte in der Markgrafschaft führten zum Ziel. 1759 konnte der Dekan Joh. Adam Eckstein feststellen, dass die Mittel vorhanden seien, eine Kapelle zu errichten. Auch habe die Gemeinde sich verpflichtet, „die Kirche im Bau zu erhalten“. Wer der Baumeister der Kapelle war, ist nicht bekannt. 

Das Kirchlein wurde – wie es neben dem jetzt verputzten Kreuzigungs-relief über dem Eingang festgehalten war – 1759 gebaut, mitten im Dorf an der Straße, oder eigentlich halb auf der Straße, der Landstraße, die schon damals als wichtige Süd-Nord-Achse überörtliche Bedeutung hatte. Als im Jahr 1890 die Kleinbahn von Karlsruhe nach Durmersheim eröffnet wurde, die auch durch die Grün-winkler Hauptstraße fuhr, und zudem der überörtliche und örtliche Verkehr immer mehr zunahmen, wurde das Kirchlein zunehmend zu einem Verkehrshindernis.

Im Jahr 1913 entschloss man sich, das Kirchlein zu beseitigen, und der Brauereibesitzer, der damalige Ge-heimrat Sinner, ließ es auf seine Kos-ten abbauen und an einer erhöhten Stelle bei einer Albschleife wieder errichten. Dort waren bis zur Mitte des 18. Jh.  noch Reste einer Schanze aus den Franzosenkriegen erhalten.

In der Umgebung  der Kapelle, der Albsiedlung, wurden bei Baumaß-nahmen zwischen 1922 und 1927 römische Siedlungsstrukturen mit einem Gräberfeld des 1. – 3. Jh. n. Chr. entdeckt. Vermutungen, dass sich am Standort der Kapelle ein keltisches Heiligtum noch aus vorrömischer Zeit befunden haben soll, konnten bisher nicht bestätigt werden.

Sicher ist, dass die Kapelle dort am Hochgestade der Alb einen würdigen Platz gefunden hat. Heute finden in der Kapelle gelegentlich Andachten statt – besonders im Marienmonat Mai – wie auch auf dem Platz vor der Kapelle.

Über die Inneneinrichtung ist nur wenig bekannt. Man weiß, dass der Altar im Jahr 1760 der Unbefleckten Empfängnis Mariens geweiht wurde. Er ist im Wesentlichen bis heute erhalten. Nur das Altarbild wurde 1977 gestohlen. 1760 erhielt die Kapelle ein Glöcklein, das jedoch schon 1790 zersprang und durch das Geläute samt Uhr der ruinierten Glasschmelze zu Rotenfels ersetzt wurde. Das Kruzifix wurde 1792 gestiftet.

An der Eingangsseite sind innen 2 Gedenktafeln angebracht. Sie erinnern an die Grünwinkler Gefallenen und Kriegsopfer des 1. und 2. Weltkriegs und wurden durch den langjährigen Grünwinkler Pfarrer Theodor Söhner initiiert.

Literatur:

Benedikt Schwarz: Grünwinkel und seine Umgebung. Ein Heimatbuch für Jung und Alt,

Karlsruhe 1925, S. 53 - 55.

Grünwinkel – Gutshof, Gemeinde, Stadtteil.  Hrg. v. Manfred Fellhauer, Manfred Koch und Gerhard Strack. Karlsruhe 2009. S. 329 - 333

Text: Bertold Kunz

Denkmal nach § 2 (Kulturdenkmal) Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1759
 

Maria-Hilf Kapelle
Bild: PBe, 2009

 

Kapelle am ursprünglichen Standort, 1904

 
 

Kapelle am heutigen Standort, um 1920

 

Altar
Bild: MELA, 2013

 

Statue
Bild: MELA, 2013

 

Innenraum der Kapelle
Bild: MELA, 2013