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Datenbank der Kulturdenkmale

Palais Schmieder, später Prinz-Max-Palais

Karlstr. 10 / Stephanienstr. 33, Innenstadt-West

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Palais Schmieder, später Prinz-Max-Palais, 1881-84 von Josef Durm für den Bankier August Schmieder, 1899 durch Prinz Max von Baden erworben, Wiederaufbau nach Kriegszerstörungen von 1944 mit verändertem Innenraum, 1951-69 Sitz des Bundesverfassungsgerichts, Umgestaltung des Inneren 1978-81 durch Gerhard Assem (dabei Entkernung bis auf Tragstruktur, unter anderem Einbau Jugendbücherei im Erdgeschoss), im Garten Springbrunnen, Einfriedung,   § 12

Stephanienstr. 33:

  •  Toreinfahrt zum Prinz-Max-Palais, Akte: (OB - 73)  § 2

Innenhof:

  • "Große Figur", Skulptur, 1975, Michael Croissant  Prüffall
  • "Großer Minotaurus", 1978, Horst Kohlem Prüffall
  • Eingangsbereich zur Akademiestr.: "Große Zeremonienklinge", 1984, Michael-Peter Schiltsky  Prüffall
  • "Haus/Weg", 1993, Bernadette Hörder  Prüffall

Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Das Gebäude wurde nicht für einen Angehörigen des badischen Hochadels erbaut, wie sein Name und die mit Skulpturen reich geschmückte Fassade nahelegen könnten, sondern für den Großunternehmer August Schmieder (1824 - 1897). Schmieder ließ sich 1882 von dem renommierten Architekten Josef Durm einen prunkvollen Altersruhesitz im Stil italienischer Palastarchitektur errichten. Der Figurenschmuck mit Atlantenhermen, Nischenfiguren und Allegorien auf dem Dachfirst wurde von Bildhauer Adolf Heer geschaffen. Sinnsprüche von Josef Viktor von Scheffel auf Marmortafeln vermitteln die Bedeutung der Allegorien. Der außen noch fast vollständig erhaltene Baukörper ist ein typisches Beispiel für die Architektur der Gründerzeit und steht unter Denkmalschutz.

Dazu gehören auch die Gartenanlage mit Zierbrunnen, gußeisernen Umfassungsgittern und -toren sowie eine mit zahlreichen Bauelementen des Historismus durchgestaltete Schauwand an der Westseite des Gartens, die in Karlsruhe ein einzigartiges Beispiel für eine derartige Architektur darstellt. Anlässlich seiner Hochzeit mit Maria von Cumberland, Herzogin  von Braunschweig-Lüneburg, erwarb Prinz Max von Baden 1899 das Palais als Wohnsitz für seine Familie, so dass es alsbald seinen Namen trug. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 verließ der letzte Kanzler des Kaiserreichs sein Domizil und überließ es verschiedenen Institutionen und Firmen zur Nutzung für Geschäftsräume. Von der ursprünglichen Innenausstattung blieb daher nichts erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Prinz-Max-Palais schwer beschädigt. Danach wurde es wieder hergestellt und die Raumaufteilung im Innern verändert. So residierte von 1951 bis 1969 das Bundesverfassungsgericht in diesem Gebäude, bevor die Neubauten am Schlossplatz fertig gestellt waren. Seit 1978 wurde das Prinz-Max-Palais auf Beschluss des Stadtrats zum kulturellen Zentrum ausgebaut und 1981 eröffnet.
   
Der Architekt Josef Durm (1837-1919), seit 1862 in Karlsruhe baukünstlerisch tätig, war seit 1868 Professor für Architektur an der TH, 1877 Oberbaurat, später Oberbaudirektor. Er ist der Hauptvertreter des Historismus in Baden. Stilistisch knüpfte Durm vor allem an die italienische Hochrenaissance-Architektur an, die er mit anderen Elementen mischte. In Karlsruhe plante er u. a. das Vierordtbad (1873), die kriegszerstörte Festhalle (seit 1873), den verändert wiederaufgebauten Aulabau der Universität (1892), die heutige Akademie der Bildenden Künste (1898-1901) und das Erbgroßherzogliche Palais, den heutigen Bundesgerichtshof (1893-1897). Seit 1880 plante er die Villa Schmieder.

Wie bei anderen Unternehmungen versorgte er einen Stamm von Künstlern mit Aufträgen, so etwa den Bildhauer Adolf Heer für den Figurenschmuck an der Fassade. Adolf Heer (1849-1898) ist in Karlsruhe vor allem als Schöpfer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals bekannt geworden. Er studierte Bildhauerei in Nürnberg, Berlin und Karlsruhe. 1881 wurde er Professor an der damaligen Kunstgewerbeschule. Die Bauplastik am Palais Schmieder gehörte zu seinen ersten großen Aufträgen. Später schuf er u. a. den Fassadenschmuck am Erbgroß-herzoglichen Palais, am Erweiterungsbau der Kunsthalle in der Waldstraße und am Bezirksamtsgebäude am Marktplatz, alles Bauten, die sein Mentor Josef Durm geplant hatte.

Den Hauptschmuck am Prinz-Max-Palais bilden weibliche Nischenfiguren, die häusliche Tugenden verkörpern, sowie die Atlantenhermen an der Karlstraßenseite.  Aber auch den Dachaufsatz des Gebäudes bevölkern zahlreiche Figuren, die Handel und Industrie, Gesetz und Stärke sowie Traum und Schlaf versinnbildlichen sollen. Der Vorgarten des Prinz-Max-Palais hebt das Bauwerk aus seiner monoton bebauten Umgebung heraus und ersetzt den für Gebäude dieser Größenordnung eigentlich dazugehörigen Park, auf den wegen der beengten Grundstücksverhältnissen im Stadtraum verzichtet werden musste. Die ursprüngliche Gartengestaltung wurde mit dem Umbau des Prinz-Max-Palais zum Sitz des Bundesverfassungsgericht 1950 und zum Kulturzentrum 1980 verändert, orientiert sich aber mit ihren gewundenen Wegen und auch in der malerischen Bepflanzung noch an der Planung Durms, zumal auch der große Schalenbrunnen im Zentrum der Anlage noch von diesem Architekten entworfen wurde. Zu den Relikten aus dieser Zeit gehört auch ein Wandbrunnen im Garten hinter dem Gebäude. Der sogenannte „Richterbau“ zwischen den beiden Gartenanlagen ersetzte 1950 den dort vorhandenen Wintergarten und beherbergt ein Café mit Außenbewirtschaftung, die es ermöglicht, das geschilderte Ambiente auch bei einem entsprechenden gastronomischen Angebot zu genießen.

Text: Dr. Peter Pretsch, Leiter des Stadtmuseums im Prinz-Max-Palais

Denkmal nach § 12 (Kulturdenkmal besond. Bedeutung) Denkmalschutzgesetz

 


Bild: PBe, 2017

 

Ansicht von der Karlstraße
Bild: PBe, 2012

 
 

Stephanienstr. 33
Bild: PBe, 2013