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Datenbank der Kulturdenkmale

Fontänenbecken

Friedrichsplatz, Innenstadt-West

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Fontänenbecken, von Karl Mayer, 1874


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Der Friedrichsplatz - Eine Platzgestaltung des 19. Jahrhunderts

Die Markgrafen und späteren Großherzöge von Baden hatten im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Sammlungen an Münzen, Waffen, Mineralien, Naturalien, Altertümern und Büchern zusammengetragen, die im Karlsruher Schloss aufbewahrt wurden. Vor allem der Bücherbestand der seit 1767 öffentlich zugänglichen Hofbibliothek war seit der Übernahme der Rastatter Hofbibliothek 1771 und nach der Auflösung zahlreicher Klosterbibliotheken im Zuge der Säkularisation 1803 stark angewachsen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts reifte daher der Plan, diese Sammlungen aus dem Schloss auszulagern und in einem dafür zu errichtenden Gebäude unterzubringen, um diese der Öffentlichkeit besser präsentieren und schließlich in "civilen", also öffentlichen Besitz überführen zu können.

Als Bauplatz für das Sammlungsgebäude wurde der Erbprinzengarten ausgewählt, in dessen südlichem Teil das Museum entstehen sollte. Auf der verbleibenden nördlichen, der Stadt zugewandten Seite sollte ein neuer, von Privathäusern gesäumter Platz entstehen, der nach seiner Fertigstellung nach dem amtierenden Großherzog "Friedrichsplatz" genannt wurde. Diese Namenswahl war mehr als nur eine Hommage an den Regenten. Großherzog Friedrich hatte auf die Gestaltung dieses städtebaulichen Ensembles mehrfach direkten Einfluss genommen, in dem er in offenen Fragen seine Entscheidungen gegenüber den Ansichten der Hofverwaltung durchsetzte.

Nach vorbereitenden Überlegungen seit 1856 wurden 1862 zwei Architekturwettbewerbe ausgeschrieben. Mit dem ersten sollte ein Entwurf für das Großherzogliche Sammlungsgebäude gewonnen werden, im zweiten ging es um die Entwicklung eines Musterhaus-Entwurfs für die Privathäuser, die den vor dem Museum neu entstehenden Platz "in gefälligem Styl" einfassen sollten. Keiner der prämierten Entwürfe wurde zur Ausführung bestimmt, doch hatten die eingereichten Pläne dazu beigetragen, die Vorstellungen über die neu zu erbauenden Häuser zu präzisieren. Gewinner dieser Situation war schließlich der Großherzogliche Hofbaumeister Berckmüller, der schon zu Beginn der Planungen darauf gehofft hatte, dass ihm diese Aufgabe übertragen würde.

Karl Joseph Berckmüller (1801-1878) war einer der jüngsten Schüler von Friedrich Weinbrenner. Im Jahre 1800 geboren, absolvierte er die Bauschule seines Lehrers Weinbrenner und schloss daran eine fünfjährige Studienreise an, die ihn nach Österreich und Frankreich, vor allem aber nach Italien führte. Nach Karlsruhe zurückgekehrt, legte er seine Staatsprüfung ab. 1829 heiratete er Caroline von Eichthal, die einzige Tochter des Bankiers und Fabrikanten David Seligmann, dessen Vater 1844 als "Freiherr von Eichthal" in den erblichen Adelsstand erhoben worden war. Für die nächsten 15 Jahre widmet sich Berckmüller ganz der Leitung der schwiegerväterlichen Gewehr- und Munitionsfabrik in St. Blasien. Nach dem Konkurs des Unternehmens 1844 kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo er von 1844 - 1853 im Staatsdienst, seit 1853 als Großherzoglicher Hofbaumeister tätig war. Die Aufträge für das Sammlungsgebäude, das Musterhaus und die städtebauliche Anlage des Friedrichsplatzes bedeuteten für den schon mehr als 60jährigen Architekten die Krönung seines Berufslebens, eine Aufgabe, die ihn bis zu seinem Tode 1878 beanspruchen sollte.

Berckmüller gab dem Sammlungsgebäude den Grundriss einer nach hinten offenen Dreiflügelanlage. Auf zwei Voll- und einem Mezzaningeschoss fanden die verschiedenen Sammlungen ein neues Domizil. Für die Fassadengestaltung bediente sich Berckmüller der Formensprache der italienischen Renaissance, eine Stilwahl, die auf Grund der Funktion dieses Gebäudes als Domizil von wissenschaftlichen Sammlungen mit humanistischem Bildungsanspruch im Verständnis des 19. Jahrhunderts nahezu zwangsläufig war. Die Mittelpartie akzentuierte er mit dem kräftig vortretenden Mittelrisalit, dem vier korinthische Kolossalsäulen vorgelegt sind. Darüber erhob sich bis zu den Zerstörungen im 2. Weltkrieg eine quadratische Kuppel als Eisen-Glas-Konstruktion zur Belichtung des Lesesaals der Bibliothek.

Wesentlich schneller vollendet war die Bebauung des Friedrichsplatzes (1865-1869). Nach dem Vorbild des Musterhauses (ehem. Hasslingersches Haus, heute Baden-Württembergische Bank), das sich an der nordwestlichen Ecke des Platzes als einziges der ursprünglich 12 historischen Bauten zumindest im Außenbau erhalten hat, wurde der Platz auf der Ost- und Nordseite von Wohnhäusern eingefasst, während die Westseite zur Stephanskirche, zum Ständehaus und zum Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten offen blieb. Die privaten Bauherren mussten gestalterische Vorgaben einhalten. Dazu gehörte neben der einheitlichen Geschosshöhe von 3 ½ Stockwerken ein umlaufender Arkadengang, der den Ladengeschäften im Erdgeschoss vorgelegt war. Ein leichtes Vor- und Zurückspringen der Baufluchten sollte der Monotonie der Fassaden ebenso entgegenwirken wie die leicht differenzierte Gestaltung von Balkonen und Fenstereinfassungen. Damit trotz des radialen Stadtgrundrisses eine rechteckige Platzform entstehen konnte, musste die Lammstraße vor dem Einmünden in den Platz abknicken, eine "Korrektur", die durch eine Überbrückung der Lammstraße verdeckt wurde. Der neue Platz wurde von Anfang an durch die Erbprinzenstraße in zwei Hälften geteilt. Jede Platzhälfte war ursprünglich durch gusseiserne Umzäunungen eingefasst.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die zerstörten Bauten des Friedrichsplatzes nach modernen Entwürfen ersetzt. Dabei verzichtete man auf die Differenzierung der Fassadenfluchten und auf der Ostseite auf die Arkaden. Dem heutigen Naturkundemuseum unmittelbar gegenüber entstand 1957 das Gebäude der Industrie- und Handelskammer von Erich Schelling.

Text: Dr. Elisabeth Spitzbart, ArtRegioTours

Denkmal nach § 2 (Kulturdenkmal) Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1874
 

Der Friedrichsplatz vor 1910 mit dem Sammlungsgebäude von 1874 und der großherzoglichen Eisenbahnverwaltung von 1875

 

Der Friedrichsplatz vor 1910 mit den zwischen 1865 und 1869 errichteten Häusern an der Nordseite und den danach erbauten Gebäuden an der Lammstraße