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Datenbank der Kulturdenkmale

Evangelische Jakobskirche

Wettersteinstr. 17, Wolfartsweier

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Evangelische Jakobskirche, im Kern spätromanisch, Langhaus 1744-45 von Johann Heinrich Arnold, 1984/85 erweitert. Mit Bruchsteinmauer und Rundbogentor zum Friedhof, 19. Jahrhundert, Gefallenendenkmal 1870/71, Grabmäler. (Sachgesamtheit).


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Die Kirche in Wolfartsweier wurde nicht immer "Jakobskirche" genannt. In einer Kaufurkunde von 1488 findet sich der Name "St. Margaretha". Das Patrozinium der kleinen Dorfkirche lag also in den Händen der Heiligen Margaretha, einer Märtyrerin in Antiochia um 307 n. Chr. Als Christin widerstand sie allen Versuchungen und Foltern, sie besiegte den Teufel in Gestalt des Drachens und wird mit ihren Marterwerkzeugen Kamm und Fackel dargestellt. Als Helferin aller gebärenden Frauen, gehört sie zu den bedeutendsten Fürbitterinnen aus der Gruppe der Vierzehn Nothelfer. Ihr Gedenktag wurde seit dem 12. Jahrhundert am 20. Juli gefeiert, für jeden Lehenbauern ein wichtiger Merktag, denn: starb der Bauer vor dem 20. Juli, fiel der Ertrag seiner Felder an den Lehenherrn, starb er danach, erbte die Bauernfamilie. So galt Margarethe als Patronin des Nährstandes. Dies alles passt zur bäuerlichen Wolfartsweierer Gemeinde und ihrer Dorfkirche, die ins 13. Jahrhundert datiert wird. Ein genaues Erbauungsjahr fehlt jedoch.

Erst als Baden-Durlach 1556 protestantisch wurde, verschwindet auch der Name der Heiligen Margaretha in den Akten. Bis ins 19. Jahrhundert ist nur noch von der "Pfarrkirche zu Wolfartsweier" die Rede. Wann und warum sie heute Jakobskirche heißt, konnte noch nicht erforscht werden.

Zweimal erweiterte die Gemeinde ihre Kirche. 1744 verlängerte man das Kirchenschiff um eine Fenstereinheit nach Westen, und 1985 fügte man dem Schiff einen westlichen Vorbau an und verbreiterte den Innenraum auch nach Norden. Man gab die Ostung auf und arrangierte das Kirchengestühl zentralbauartig um den nun an der Nordwand aufgestellten Altar.

Der Turm

Durch einen im Osten sich in rotem Sandstein wölbenden Triumphbogen einfachster Bauart gelangt man in den Turmchorraum. Der Turm hat sich seit seiner Errichtung im 13. Jh. in seinem ursprünglichen Zustand ohne größere Veränderungen erhalten. Das Kreuzrippengewölbe im Turmchor wurde aber erst im späteren 15. Jahrhundert eingezogen. Sein einfacher Schlußstein zeigt das badische Wappen in den badischen Farben – Gelb mit rotem Schrägbalken. In der nach Norden angebauten Sakristei dagegen, deren vergittertes Fensterchen man beim Umbau 1985 erhalten und in den Innenraum der Kirche einbezogen hat, kann man noch heute das Tonnengewölbe aus dem 13. Jahrhundert der Bauzeit der Kirche – sehen.

Der Glockenstuhl und die Glocken

Aus dem 13. Jahrhundert stammt auch der hölzerne, noch sehr gut erhaltene Glockenstuhl. Hier hängen drei bronzene Glocken "Glaube, Liebe, Hoffnung" mit den Tönen "h" – "cis" – "e". Sie wurden 1950 von der Karlsruher Glockengießerei Bachert, die 2003 auch die Glocken für die Dresdner Frauenkirche goss, neu gegossen. Wie schon im Ersten wurden auch im Zweiten Weltkrieg Glocken konfisziert und als Rohmaterial für Kriegszwecke verwendet. In Wolfartsweier wurden zweimal die Glocken abgeholt, nur eine stand unter Denkmalschutz und konnte gerettet werden. Aber weil sie klanglich nicht zu den neuen Glocken passte, verkaufte sie die Gemeinde nach Furtwangen. Noch bis 1985 wurden die Glocken durch Seile, an denen meist Jugendliche im Turmchor zogen, in Schwingungen und damit zum Läuten gebracht. Sehenswert ist das Holzwerk des Glocken- und des Dachstuhls, das nicht nur wuchtig, sondern auch in seinen Drehungen der Kanthölzer nach oben sehr lebendig wirkt. Einige wunderbare Sagen berichten vom Schicksal der Glocken in früheren Zeiten. Unterhalb des hölzernen Glockenstuhls findet sich ein altes Uhrwerk, das aber nicht mehr benutzt wird und der Restaurierung harrt.

Literatur:

Elga Roellecke: Die Jakobskirche in Wolfartsweier, Kunstführer, Wolfartsweier 1997

Elga Roellecke, Hansmartin Schwarzmaier: Glaube und Visitation – Kirchliches Leben in einem badischen Dorf, Chronik Wolfartsweier, Heft 7, Wolfartsweier 2006

Text: Elga Roellecke, Verein für die Geschichte von Wolfartsweier e. V.

Denkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1744
 


Bild: PBe, 2013

 


Bild: PBe, 2013