Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt. Sprung zur Navigation dieser Seite

Datenbank der Kulturdenkmale

Großbürgerliches Wohnhaus

Maximilianstr. 8, Weststadt

Ausweisungstext der amtlichen Denkmalliste

Wohnhaus mit Garten und Einfriedungsmauer, 1902 von Emil Deines für Dr. Paul Jochum, sehr hochwertige und vollständige Innenausstattung (Malereien, Kasettendecken etc.), 1919 Wintergarten und Gartenhaus von Pfeifer & Großmann, Garage von 1937.


Ergänzende Informationen des Stadtarchivs

Für das Grundstück auf der bisher noch unbebauten Nordseite der Maximilianstraße entwirft der Architekt Emil Deines 1901/02 zunächst ein Gebäude in historistischem Stil. Nach zweimaliger Ablehnung des Baugesuchs entsteht schließlich 1902/03 für den Fabrikanten Dr. Paul Jochum eine Villa auf kleinerer Grundfläche, deren klare, unverschnörkelte Formen innen und außen vom Jugendstil inspiriert sind.

Beim Betreten des Gebäudes beeindruckt die großzügige Gestaltung von Eingangshalle und Treppenhaus mit dem in geometrischen Formen ornamentierten Holzwerk. Raumaufteilungen und Holzausstattung aus der Erbauungszeit sind größtenteils erhalten.

Erst auf den zweiten Blick wird die von relativ schnellem Besitzerwechsel und mehrfacher Umnutzung geprägte Geschichte des Gebäudes erkennbar: Schon 1918 ist beim Bauantrag für eine „Autohalle“ Frau Dr. Jochum als Witwe die Antragstellerin. Der Bau wird nicht ausgeführt und das Anwesen wohl kurz darauf verkauft.

Der neue Besitzer, Großkaufmann Julius Kaller, lässt 1919 nach Plänen des Architekturbüros Pfeifer & Großmann auf der Nordseite des Gebäudes einen Wintergarten mit darüber liegendem Balkon anbauen. Die Innengestaltung mit figürlichen Intarsienarbeiten weist auf einen eher rückwärtsgewandten Geschmack der Bewohner. Im gleichen Jahr entsteht ein Gartenhäuschen mit pagodenartiger Dachausbildung; nur die polygonale Bodenfläche mit Plattenbelag ist im Garten noch erhalten. In der Nordostecke des Erdgeschosses wird ein kleiner Raum angebaut und der dort vorhandene Treppenaufgang entsprechend verändert.

In der Folgezeit geschehen mit Abschaffung der alten Niederdruck-Dampfheizung und Einbau von Kaminen und Heizkörpern in mehreren Räumen starke Eingriffe in die bauliche Substanz.

1937 wird Militär in der Villa einquartiert, als Besitzerin ist im Adressbuch noch die Witwe Kaller genannt, bereits 1938 ist das Gebäude Eigentum der Stadt und alleiniger Bewohner Generalleutnant Hubert Schaller. Mit diesem Besitzerwechsel gehen einige kleinere bauliche Veränderungen einher, zum Beispiel durch Einbau von Bädern/WC in den oberen Stockwerken. Eine auch das äußere Erscheinungsbild ändernde Maßnahme ist die Zusetzung sämtlicher großer Wandöffnungen auf der Ostseite des Erdgeschosses. Die den Wohnbereich jetzt noch prägenden, teilweise stark überladenen, historistischen Stuckdecken mit dazugehöriger neuer Holzausstattung sind wahrscheinlich erst ab 1938 entstanden.

Ab 1947 wird das Gebäude durch die Stadt behördlich genutzt. Der Erker im Erdgeschoss ist ab dieser Zeit durch eine verglaste Holztrennwand mit Tür als Warteraum von der Eingangshalle abgetrennt. Einzelne Türen werden aus Gründen des Schallschutzes aufgedoppelt.

In den letzten Jahrzehnten baut die Zollbehörde in Wohn- u. Schlafräumen Labors ein, Böden und Wände werden durch zahlreiche Installationen stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Ostwand des Gebäudes werden neue Fensteröffnungen geschaffen, die sich jedoch nicht an der noch vorhandenen bauzeitlichen Fassadengliederung orientieren.

2010 geht das Anwesen in den Besitz der Anwaltskanzlei  LUTZ BECK über, und es findet eine umfassende Renovierung statt, die so weit wie möglich die vorhandene Substanz bewahrt. Die Fenster werden entsprechend der bauzeitlichen Teilung rekonstruiert, die Farbigkeit auf Holz und Putz wird, soweit nachgewiesen, wiederhergestellt und spätere Ausstattungen größtenteils beibehalten.

Trotz der baugeschichtlich bedingten stilistischen Gegensätze und der der neuen Nutzung geschuldeten Hinzufügungen kommt insgesamt der ursprüngliche herrschaftliche und großzügige Eindruck des Innenraums wieder zur Geltung.


Literatur / Archivalien:

  1. Archiv Bauordnungsamt Karlsruhe: Bauakte Maximilianstr. 8, Schriftverkehr, Pläne
  2. Stadtarchiv: Situationsplan, Fotos, Adressbücher


Text: Ute Schlee

Denkmal nach § 2 (Kulturdenkmal) Denkmalschutzgesetz

Baujahr 1902
 


Bild: PBe, 2015

 


Bild: PBe, 2015

 

Endzustand Erker
Bild: Stadt Karlsruhe - Bauordnungsamt, 2012

 

Endzustand Stuckdecke
Bild: Stadt Karlsruhe - Bauordnungsamt , 2012

 

Erker Maximilianstr. 8
Bild: Bastian, 2012