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Das Karlsruher Rathaus

Das erste Karlsruher Rathaus war 1728 als barocker Fachwerkbau an der Nordwestecke des Marktplatzes errichtet worden und musste 1812 der Marktplatzerweiterung weichen. Das heute noch bestehende zweite Rathaus konnte erst nach rund 35-jähriger Planungs- und Bauzeit 1825 eingeweiht werden und ist mit der Ev. Stadtkirche als Pendant funktional und architektonisch wichtigster Bestandteil im Herzen von Weinbrenners "via triumphalis". Neben dem herausragenden städtebaulichen Rang liegt die Bedeutung des Rathauses auch im Entwurfsprozess begründet, der Weinbrenners baukünstlerische Entwicklung vom schweren, antikisierenden Stil zum Klassizismus palladianischer Prägung widerspiegelt.

Seit 1764 gab es Überlegungen zu einer Vergrößerung des Marktplatzes und einer südlichen Stadterweiterung durch eine Verlängerung der heutigen Karl-Friedrich-Straße. 1790 sah ein Entwurf D`Ixnards bereits die mittige Gegenüberstellung von Rathaus und Kirche auf den Marktplatzlängsseiten vor.

Friedrich Weinbrenner lieferte während eines Berlin-Aufenthaltes 1791/92 einen Lageplan für den Karlsruher Marktplatz. Gegenüber der zunächst als Rotunde geplanten Ev. Stadtkirche sollte auf der westlichen Längsseite des Markplatzes das Rathaus mit freistehendem Mittelbau und halbkreisförmiger Kolonnade errichtet werden. 1794 schickte Weinbrenner aus Rom erste Ansichtspläne, die seine frühe Vorliebe für die dorische Säulenordnung und monumentale Baukörper dokumentieren.

Nach seiner Rückkehr aus Italien legte Weinbrenner 1797 den "General-Bauplan" vor, der den Marktplatzgrundriss und die Disposition des Rathauses mit Turm und drei Innenhöfen festgeschrieb. Auf dieser Grundlage entstand 1803 Weinbrenners erster Rathaus-Entwurf, dessen Ausführung 1804 vom Stadtrat mit Zustimmung des Markgrafen beschlossen wurde.

Zunächst enstand ab 1805 der Seitentrakt in der Zähringerstraße. Die Befreiungskriege gegen Napoleon bedingten eine fast zehnjährige Bauunterbrechung. 1821 erfolgte die zweite Grundsteinlegung. Das Rathaus wurde am 28.01.1825 eingeweiht.

Herz der Anlage ist der Mittelbau mit der noch erhaltenen, von dorischen Säulen getragenen Eingangshalle, dem Haupttreppenhaus und dem Bürgersaal im Obergeschoss. Die auffällige Abschrägung des Baublocks an der Hebelstraße ist auf den Verlauf des Landgrabens zurückzuführen, der ab 1821 eingewölbt wurde. Der Rathausturm ist mit der ihn bekrönenden Merkur-Figur über 50 m hoch und entspricht in Stellung und Höhe dem Turm der Evangelischen Stadtkirche. Die fein differenzierte Hauptfassade besitzt mit den nur leicht vorspringenden, dreiecksgiebelbekrönten Risaliten und der Loggia des Mitteltraktes mit den beiden ionischen Säulen ein maßvolles Relief.

1899-1902 erfolgten Sanierungs- und Dekorationsarbeiten, wobei man den schadhaften Putz vom Rathausturm abschlug. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rathaus schwer beschädigt. Nur der Turm und die Außenmauern blieben erhalten. Beim 1955 vollendeten Wiederaufbau erweiterte man den Bürgersaal nach Westen, während man auf die Wiedererrichtung des ursprünglich hinter der Loggia untergebrachten Stadtratssaales verzichtete und stattdessen ein brückenartiges Foyer schuf.

Text: Dr. Karsten Pressler, Landesdenkmalamt




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