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Die Pyramide

Pyramide am MarktplatzDie Pyramide aus rotem Sandstein inmitten des belebten Marktplatzes der Stadt Karlsruhe ist unzweifelhaft eines ihrer bekanntesten Wahrzeichen. Nicht jeder, der in geschäftigem Treiben daran vorbeigeht, denkt daran, dass dieses Bauwerk auch das Grabmal des Stadtgründers ist. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach legte am 17. Juni 1715 den Grundstein für Schloss und Stadt Karlsruhe. Er wurde nach seinem Tod am 12. Mai 1738 gemäß seinem Wunsch in der Gruft der Konkordienkirche beigesetzt, die damals die zentrale Straßenachse gegen Süden abschloss.

Gemäß der geplanten Entwicklung der Stadt im 18. Jahrhundert sollte dem Schloss ein bürgerliches Stadtzentrum gegenübergestellt werden. Dafür wurden verschiedene Entwürfe unter anderem von Philippe de La Guêpière (1790), Peter Perez Burdett (1787), Maurizio Pedetti (1787/88 und 1790), Pierre Michel d'Ixnard (1790), Paul Guillaume Lemoine (1790), Jacques-Denis Antoine (1790) und Nicolas Alexandre Salins de Montfort (1790) eingereicht. Ab 1802 realisierte dann Friedrich Weinbrenner, der 1792 unaufgefordert Entwürfe für die Marktplatzgestaltung vorgelegt hatte, die bis heute das Zentrum prägende Anlage.

Wesentlich ist, dass nach dem Abbruch der Konkordienkirche 1807 die Gruft als Grablege des Gründers bestehen blieb. Entwürfe zeigen, dass die Gruft, welche eine schlichte hölzerne Pyramide als Schutzbau erhalten hatte, durch ein monumentales Denkmal überbaut werden sollte. Zunächst war ein monumentaler Sarkophag geplant, der später um eine bekrönende Figurengruppe bereichert wurde. In der Folge plante man eine Figur der Göttin Rhea, die nach der Überlieferung auch den Bau der Städte erfunden haben soll, als Monumentalstandbild. Im Zuge der Realisierung der den Platz begrenzenden Bauten entschloss man sich jedoch nach sechzehnjähriger Diskussion das Provisorium durch die Sandsteinpyramide zu ersetzen, da die Pyramide als eine der Vergänglichkeit am mehrsten entgegenstehende Form anzusehen sei. Seitdem bestimmt der Grabbau das Zentrum des Weinbrennerschen Platzes.

Die Pyramide deckt genau die Lage der Gruft, ohne eine Verbindung zu dem Tonnengewölbe besitzen, in dem sich noch heute der Sarg mit den sterblichen Überresten des Markgrafen befindet. Zugänglich ist der Innenraum über dem Grab durch eine kleine quadratische Öffnung an der Nordseite. Der Boden des quadratischen, von einem Klostergewölbe überfangenen Raumes liegt auf dem Niveau des Platzes. Je eine kleine Konche befindet sich in den Wänden und eine quadratische Öffnung im Gewölbe erschließt den darüberliegenden Raum, der durch die kleinen kreuzförmigen Lüftungsöffnungen schwaches Licht erhält.

Auf einem kleinen Sandsteinblock im Zentrum des Raumes liegt die Jurakalkplatte, die eingefasst von einem fein gearbeiteten Rankenwerk den gravierten Grundriss der Stadt im Jahre 1823 zeigt. Farbliche Fassungen dokumentierten die Stadtentwicklung seit der Gründung. Die Platte, die bereits in der Weinbrennerschen Planzeichnung erwähnt ist, ist gleichsam der Grundstein für die klassizistische Stadterweiterung.

Erst 1940 gingen die Eigentumsrechte an dem Pyramidenbau vom Haus Baden an die Stadt Karlsruhe, unter dem Vorbehalt, dass die Öffnung und Betretung nur mit Zustimmung der Familie erfolgen dürfe. Das Denkmal ist nicht nur als Grabmal, sondern mit seinem Bezug auf die von Karl Wilhelm gegründete und sich über die Stadterweiterung unter Weinbrenner hinaus entwickelnde Stadt das neue Zentrum. Karlsruhe besitzt damit als einzige europäische Stadt das reale Grab des Gründers auf dem Marktplatz. Ein Umstand, der in der Folge einer idealistisch-humanistischen Idee zu sehen ist, die oftmals zur Nachbildung der Gräber der sagenhaften Gründer in den Städten führte.

Text: Dr. Johannes Wilhelm, Landesdenkmalamt




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