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Brunnenhaus der ehemaligen Karlsruher Wasserversorgung

Brunnenhaeuschen

Seit dem Mittelalter nutzten die Durlacher die natürlichen Quellen, die am Fuß des Geigersbergs unmittelbar an der Landstraße nach Ettlingen entspringen, zur Versorgung ihrer Stadt mit fließendem Wasser. Nachweislich seit 1468 war eine Quelle baulich gefasst, das Wasser lief über hölzerne Deichelrohre zu einem Brunnenturm beim Blumentor, um von hier einige öffentliche Brunnen innerhalb der Stadtmauern zu speisen. Später mehrfach erneuert und verbessert, erfüllte diese Leitung bis ins 19. Jahrhundert ihren Dienst.

In der 1715 neu gegründeten Residenz Karlsruhe stand es mit der Wasserversogung im 18. Jahrhundert dagegen nicht zum Besten. Man konnte zwar das lebensnotwendige Nass wegen des hohen Grundwasserstands leicht gewinnen, sodass nahezu jedes Haus einen eigenen Zieh- oder Pumpbrunnen besaß; die Wasserqualität ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen der vielen Sickergruben, durch die das Abwasser wieder zurück ins Grundwasser gelangte. Wer es sich leisten konnte, ließ deshalb sein Trinkwasser in Fässern aus Durlach und Umgebung heranfahren.

Der unerfüllte Wunsch nach reinem Wasser führte in Karlsruhe erst nach den napoleonischen Kriegen zu konkreten Planungen. Der Bürgermeister von Durlach wies 1819 auf die ungenutzte Quelle neben dem alten Durlacher Brunnenhaus und der Bäderbrünnelesquelle hin, deren Wasser bisher in der sumpfigen Niederung der Weihergärten versickerte. 1821 wurde eine Kommission eingesetzt, die die Möglichkeit der Fassung der Quelle und ihrer Leitung nach Karlsruhe untersuchte. Ihr gehörten u.a. der wegen seiner Rheinbegradigung berühmt gewordene Ingenieur Johann Gottfried Tulla, Baudirektor Friedrich Weinbrenner sowie der "Mechanik und Mühlen-Baukunst-Practicus" Joseph Haberstroh aus Ettlingen an. Ihre gemeinsame Planung wurde 1822 vom Großherzog genehmigt und bis 1824 realisiert.

Über der neu gefaßten Quelle an der heutigen Ecke von Badener und Marstallstraße wurde ein weiteres Brunnenhaus errichtet, das Wasser zum alten Turm Ecke Pfinztal- und Badener Straße geleitet und dort eine neue Pumpmechanik eingebaut. Sie erzeugte den nötigen Druck, das Wasser durch zwei gusseiserne Rohre entlang der Durlacher Allee bis nach Karlsruhe zu fördern, wo mehrere laufende Brunnen, etwa jene auf dem Marktplatz, dem Rondellplatz, dem Lidellplatz und dem Ludwigsplatz gespeist wurden.

Die Brunnen, die denkmalartig die klassizistischen Platzanlagen schmücken sollten, wurden von Friedrich Weinbrenner entworfen, und Weinbrenner war auch verantwortlich für den Bau des Durlacher Brunnenhauses. Er löste die ungewöhnliche Bauaufgabe auf äußerst anspruchsvolle Weise. Über die reine Funktionserfüllung hinaus und völlig anders als die benachbarten älteren, heute verschwundenen Quellhäuser, die schlichte Zweckbauten waren, erhielt der massive Bau eine repräsentative, gedrungen-monumentale Form in antikisierender Formensprache. Das mit mächtigen Sandsteinplatten gedeckte Satteldach, die wie im Boden versunkenen Pilaster der Wandgliederung oder die archaische Bogennische der Giebelseite mit dem Portal sind stilistisch deutlich von der französischen Revolutionsarchitektur beeinflusst. Nicht weniger eindrucksvoll zeigt sich das normalerweise nicht zugängliche Innere des Gebäudes. Eine schwere Tonne überwölbt das rechteckige Quellbecken, in dem sich das vom Grund aufsteigende Wasser sammelt. Ein Umgang ermöglicht es dem Besucher, entlang der Aussenwände das Becken zu umschreiten.

Noch heute erfüllt das Gebäude seine Aufgabe als Quellfassung, wenngleich das Wasser nicht mehr der Versorgung der Bevölkerung dient, sondern ungenutzt über einen offenen Graben der Weihergärten in die Kanalisation abfließt. Bis zur Erbauung des Wasserwerks im Oberwald 1871 versorgte es ganz Karlsruhe. Nach dem Neubau des Durlacher Wasserwerks speiste die Quelle von den 1890er bis in die 1960er Jahre noch die Haushalte in Durlach.

Text: Dr. Gerhard Kabierske, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau




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