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Durlacher Geschichte. Fünf Vorträge in der Karlsburg
(= Karlsruher Beiträge Nr. 5), Mai 1990, hg. von der Stadt Karlsruhe. Braun Verlag, Karlsruhe 1990, 112 S.,
DM 17,50.

In der Fülle der historisch wichtigen Ereignisse, denen gemeinhin in Form von Gedenktagen "Ehre" angetan wird, nimmt das Jahr 1689 einen eher bescheidenen Platz ein. Und doch war die in jenem Jahr erfolgte Zerstörung Durlachs durch die französischen Truppen Ludwigs XIV. Anlaß für das Kulturamt der Stadt, eine fünfteilige Vortragsreihe zur Geschichte Durlachs in dem neugestalteten Festsaal der Karlsburg zu veranstalten, deren Ergebnisse nun in ansprechender Form gedruckt vorliegen.

Nicht zuletzt die zahlreichen historischen Fotos, Bilder und die zeitgenössischen wie modernen Baupläne machen den Reiz der Veröffentlichung aus. Denn bis auf Christianne Weber, die sich mit Friedrich Eberle befaßt, dem Mentor der Durlacher Heimatsammlung, die schließlich im auch überregional beachtenswerten Pfinzgaumuseum aufging, betritt keiner der anderen Vortragenden historiographisches Neuland, beschränken diese sich auf die Aufbereitung und teilweise Neubewertung bereits vorliegender Untersuchungsergebnisse.

Doch auch das hat seinen Reiz, wie man am Beitrag von Wulf Schirmer erfährt, der über den Wiederaufbau der Stadt nach dem verheerenden Brand vom 15. bis 16. August 1689 berichtet. Nach dem Willen des Markgrafen und seines Baumeisters Thomas Lefebvre hätte Durlach eine "Modell"- oder Retortenstadt werden, der Wiederaufbau durch einen Neubau ersetzt werden sollen. Dieses Konzept scheiterte allerdings nicht zuletzt am zähen Festhalten der Durlacher Einwohnerschaft an der seit Jahrhunderten tradierten Eigentums- und Besitzstruktur in der Stadt.

Quasi die Vorgeschichte dieses Wiederaufbaus erzählt die Stadthistorikerin Susanne Asche mit ihrem Bericht über jenen Sommer des Jahres 1689, an dem Durlach nicht nur einer raubenden und sengenden Soldateska ausgesetzt war, sondern letztlich seine Bedeutung als Residenz und damit als Stadt einbüßte. In beklemmender Weise schildert sie, wie die Einwohnerschaft des Städtchens unter den Auswirkungen dieser eigentlich "dynastischen" Kriege zu leiden hatte. Kontributionslieferungen, Kriegsfronen, Plünderungen, ja Gefahr für Leib und Leben, die unterschiedslos von den Söldnern Luwigs XIV. wie von den "Kaiserlichen" ausgingen, waren an der Tagesordnung.

Wie sehr das Jahr 1689 für Durlach eines Zäsur bedeutete, belegt Asche in ihrem einleitendem Vortrag. Anhand der Baugeschichte und der Nutzung der Karlsburg beschreibt sie den Weg Durlachs von der markgräflichen Residenz über die bescheidene Provinzgemeinde des 18. und 19. Jahrhunderts, über den industriellen Vorort der badischen Landeshauptstadt zum heutigen Stadtteil Karlsruhes. Allerdings weckt der Titel dieser tour d'horizon - Bürgerstolz vor Fürstenthronen - Erwartungen, die der Beitrag selbst zu erfüllen nicht in der Lage ist. Dies liegt vielleicht auch daran, daß es auch in Durlach mit dem bürgerlichen Stolz vor dem markgräflichen Thron nicht weit her war.

Ein Überblick von Günther Haass über die höfische Theatertradition des Barock unter Einbeziehung des markgräflichen Hofs in der Karlsburg runden eine Veröffentlichung ab, die weit mehr als "nur" Informationen zur Durlacher Lokalgeschichte bietet.

Dr. Kurt Hochstuhl (Badisches Generallandesarchiv Karlsruhe) 1990


Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv -BS- Stand: 23. Februar 2000