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Geschichte: Elisabeth Großwendt vor 50 Jahren gestorben

Erste Amtsleiterin in Karlsruhe

(vs) Elisabeth Großwendt war im Jahr 1920 die erste Frau in dieser Position, als sie Jugendamtsleiterin in Karlsruhe wurde. Damit lebte sie praktisch vor, was sie als Vertreterin der Frauenbewegung forderte: die Teilhabe der Frauen am Berufsleben. Schon zuvor hatte Elisabeth Großwendt, die am 26. Mai 1881 in Metz geboren worden war, eine bisher nur von Männern besetzte Stelle innegehabt.

Von 1906 bis 1919 war sie als Beamtin des Gewerbeaufsichtsamts Colmar tätig. 1919 wurde sie von den Franzosen abgeschoben und war kurz beim württembergischen Amt für Arbeitsvermittlung und als Jugendamtsleiterin in Halle tätig. Wie ungewöhnlich damals eine Frau in leitender Stellung war, belegt das Zeugnis der Stadt Halle, das hervorhob: Sie "beherrschte sicher die Schwierigkeiten, die sich aus einer Stellung einer Frau an leitender Stelle für das unterstellte männliche Büropersonal fast durchweg ergeben."

1920 trat Großwendt der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei. Außerdem engagierte sie sich im Verband für Frauenbestrebungen. Wie ungesichert die Stellung der Frauen im Berufsleben war, belegt ihr eigener weiterer Lebensweg.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, nutzte ihr Vorgesetzter, der Fürsorgeamtsleiter Dr. Fichtl, die Gelegenheit, um sie aus ihrem Amt zu drängen, indem er Zweifel an ihrer politischen Zuverlässigkeit anmeldete. 1934 wurde sie mit der Begründung, damit Platz für jüngere Arbeitskräfte zu schaffen, zwangsweise zur Ruhe gesetzt.

Dass damit Männer gemeint waren, belegt ein entsprechender Hinweis in ihrer Personalakte. Neben dem Verlust ihrer Arbeit erlitt sie dadurch eine empfindliche Einkommenseinbuße. Fichtl verhinderte auch 1945 ihre Wiedereinstellung. Er selbst blieb hingegen im Amt.

Als Redakteurin der BNN trug sie ab 1946 frauenpolitische Themen in das Blatt. Im selben Jahr gründete sie die überparteiliche Karlsruher Frauengruppe mit. Ihre politische Arbeit setzte sie in der DVP (später FDP) fort, in deren Frauengruppe sie aktiv war. Großwendt starb am 16. Februar 1960 in Brettach bei Heilbronn.




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